5. Der US-amerikanische Vietnamkrieg [29]


Im Folgenden wird gezeigt, dass die US-amerikanischen Verbrechen im Vietnamkrieg keine Einzelfälle waren und auch nicht auf das falsche Verhalten Einzelner [30] zurückzuführen war, sondern dass diese systematisch entsprechend den Vorgaben der Eliten geschahen.


Der Mythos, die US-amerikanische Regierung wollte das Beste, sei aber leider, leider an den Realitäten vor Ort gescheitert wird ebenso zurückgewiesen, wie die verbreitete Ansicht unserer Qualitätsmedien, die freie Presse hätte mit ihrer Berichtserstattung über den Vietnamkrieg dazu beigetragen, dass die US-Regierung sich dem öffentlichen Druck beugen musste, und den Krieg verloren gab. Statt dessen kann klar dargelegt werden, dass der überwältigende Teil der Qualitätsmedien alles tat, um die ungeheuerlichen Verbrechen der US-Truppen in Vietnam zu verschleiern.


Wer Parallelen zu den heutigen westlichen Kriegen in Durchführung, (offizieller) Begründung, tatsächlichem Rassismus der Truppen Vor-Ort, der offiziellen NATO-Propaganda, der „Begleitung“ durch die Qualitätsmedien und Wirkung auf die Opfer sieht, der könnte richtig liegen. 



5.1  Statt einer Einleitung: My Lai  

Das Massaker von My Lai vom 16.03.1968 ist allgemein bekannt. US-Truppen unter Kommando von Leutnant Calley haben mehr als 500 Zivilisten, davon mehr als 70 Säuglinge in SS-Manier ermordet, ohne auf bewaffneten Widerstand gestoßen zu sein. Aber nicht nur das: Es wurde auch jedes Huhn, jedes Schwein und jeder Wasserbüffel getötet, deren die US-Truppen habhaft werden konnten („alles was sich bewegt“). Frauen wurden bevor sie ermordet wurden, vergewaltigt, das Trinkwasser des Ortes wurde vergiftet, alle Unterkünfte niedergebrannt.  


Anfangs wurde das Massaker von My Lai als großer Sieg der US-Truppen vermarktet, bei dem angeblich 128 „Vietcong“ ohne eigene Verluste getötet werden konnten.


Nun gut, das Massaker wurde vor allem auf Grund des Engagements von Soldat Ridenhour als solches erkannt, wobei Soldat Ridenhour als Dank in einem Teil der US-Presse als "Verräter, Dreckskerl, Agent von Hanoi, Kommunist, Jude und eine Schande für unsere Gesellschaft" beschimpft wurde.


Von der mordenden Truppe wurde nur der Vor Ort kommandierende Leutnant Calley mehr als zwei Jahre nach der Tat aufgrund der Fotos (u.a. in Life durch S. Hersh veröffentlicht) vor Gericht gestellt und Ende März 1971 wegen nachgewiesenem 102 fachen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese Strafe wandelte Präsident Nixon innerhalb eines (!) Tages in Hausarrest um, bevor er 1974 ganz begnadigt wurde.


Nicht angeklagt wurde nicht nur die mordende Soldateska. Auch die kommandierenden Offiziere wurden nicht behelligt. So befahl Captain Mediva bei der Einsatzbesprechung vor My Lai,, dass in My Lai, jeder zu töten sei, der angetroffen werde. Auf die Rückfrage eines Soldaten, ob damit auch Frauen und Kinder gemeint seien, antwortete Captain Mediva – wie in vielen Einsatzbesprechungen vor- und nachher - : „Alles was atmet, alles was sich bewegt“. Captain Mediva wurde selbstverständlich für diese Befehle nicht belangt.    


Ebensowenig wurde gegen mindestens 30 Personen, davon 2 Generäle, ermittelt, die aktenkundig und vorsätzlich versucht haben, die Ermittlungen zu My Lai zu behindern. Auf der anderen Seite wurden zahlreiche US-Soldaten, die im Zuge des My Lai-Prozesses ermutigt waren, ähnliche Verbrechen anzuzeigen, bedroht, verleumdet, eingeschüchtert oder bestenfalls ignoriert.


So fiel es den Qualitätsmedien im Westen nicht schwer, alle weiteren und zum Teil sehr detaillierten und leider wahren Berichte über US-Kriegsverbrechen zu ignorieren, weil diese „kommunistische Propaganda“ seinen. Dieser Zustand des kollektiven „Nicht-Wissens“ unserer Edelfedern dauert bis heute an. Der Vietnamkrieg gilt allgemein als Tragödie für die USA, wobei der gute Wille der US-Streitkräfte häufig hervorgehoben wird. Ebenso wird bis heute – und ich wage zu behaupten: wider besseren Wissens – die Mär verbreitet, ein Massaker wie My Lai sei die absolute Ausnahme und nie „von oben“ angeordnet oder auch nur toleriert.

                                                         


5.2  Offizielle Propaganda – damals wie heute?

Offiziell waren die US-Truppen in Vietnam, um die Bevölkerung Südvietnams vor dem „Terror“ der Kommunisten zu beschützen. Da die Kommunisten praktisch keinen Rückhalt in der Bevölkerung hätten und die Bevölkerung dem roten Terror alleine schutzlos ausgeliefert sei – so wurde damals argumentiert – müssten die US-Truppen der bedrängten Bevölkerung helfen.    


Und heute? Heute sind „unsere“ Truppen in Afghanistan, im Irak, in Libyen …, um die Rechte der Frauen durchzusetzen, die sich alleine nicht wehren können, um dem islamistischen Terror zu begegnen.     


Damals wie heute gab es unterschiedloses Töten durch die US-Truppen – und zwar unabhängig davon, ob die Beschossenen die US-gestützte „Regierung“ unterstützen, sich neutral verhielten oder den US-Truppen feindlich gegenüber standen.  Zivile Opfer wurden von den US-Militärangehörigen in Vietnam oft wie folgt kommentiert: „Na gut, ein paar Frauen und Kinder wurden von uns getötet. Da haben wir ihnen aber eine verdammt gute Lektion erteilt.“ Oder: „Die sind doch alle Vietcong, oder unterstützen sie wenigstens.  … Die kann man nicht ändern, nur töten“ [31].   

                                                  


5.3  Die Kriegsverbrechen

Gestützt auf Berichte der „War Crime Working Group“ des US-Militärs (zu dieser Working Group unten mehr) besuchte Nick Turse Vietnam, um Zeitzeugen auch auf der Opferseite zu befragen. Als erstes wollte er ein kleines Dorf in der Provinz Quang Nam mit unbekanntem Namen besuchen, in dem das US-Militär am 8.2.1968 etwa 20 Frauen und Kinder ermordete. Herr Turse wusste von dem Dorf nur die ungefähre Lage: 15 Meilen westlich von der Kleinstadt Hoi An.


Zuerst stieß Herr Turse auf das Dorf An Truog, hier gab es sogar ein Denkmal für ein Massaker. Leider fand dieses Massaker aber am 9. Januar 1968 statt und wurde dann auch noch durch verbündete südkoreanische Truppen verübt. Dies bedeutete: Weitersuchen. Nächstes Dorf, wieder mit Denkmal für insgesamt 33 Tote. Aber leider nicht für den 8. Februar. Nächstes Dorf: wieder Dutzende Tote, wieder 1968, aber nicht aus dem Februar. Außerdem wurde dieses Massaker durch Marines verursacht und nicht durch die Army. Nick Turse kommentiert seine Suche nach dem Dorf wie folgt: Er habe nicht eine Nadel im Heuhaufen gesuchte sondern die richtige Nadel in einem Berg von Nadeln. 


US-Truppen (und die mit ihnen kämpfenden Verbände aus Südkorea sowie südvietnamesische Truppen) aller Waffengattungen (Army, Marines, Cavalry) und aller Einheiten haben in ganz Südvietnam wiederkehrend die selben Kriegsverbrechen begangen.    Dies zeigt deutlich, dass nicht die Entscheidungen (fehlgeleiteter) Frontoffiziere maßgeblich waren, sondern die Entscheidungen und Vorgaben der höchsten Stellen.   



5.3.1  Ursachen für die Kriegsverbrechen

5.3.1.1 Rassismus durch „Ausbildung“ der US-Truppen

Für den Vietnamkrieg wurden hauptsächlich Männer um die 20 eingezogen (Kindersoldaten?). Die Ausbildung war hart und zielte – wie meist beim Militär – darauf ab, den Willen der Soldaten zu brechen, damit Befehle bedingungslos befolgt werden. Während der Ausbildung mussten die Soldaten sehr häufig „Kill, kill, kill! Kill witout mercy“ mantrahaft wiederholen.


Die Ausbilder nannten die Vietnamesen „slants“, „dinks“, „gooks“, bestenfalls „Feind“ oder „Reisfresser“. Die Vietnamesen wurden nicht als Menschen dargestellt, sondern als Wilde, die man ohne Gewissensbisse töten könne. Dass alle Vietnamesen durch die meisten US-Soldaten unterschiedslos als „Feind“ gesehen wurden, zeigt folgender, damals sehr populäre Witz unter US-Soldaten: „Wie kann das Vietnamproblem gelöst werden? Ganz einfach: Alle guten Vietnamesen werden auf Schiffe geladen und warten mit diesen im Südchinesischen Meer. Dann wird das Land plattgebombt. Und dann werden die Schiffe versenkt.“  


Angesichts dieser „Ausbildung“ sollte man sich weder über einen Massenmord wie in My Lai noch über Töten aus Spaß, Unvorsicht oder Angst wundern. Der Massenmord an Vietnamesen war vielmehr eine direkte Folge der politischen Vorgaben und von Vorgaben der militärischen Führung.


Diese Einschätzung wird noch dadurch bekräftigt, dass die Frontoffiziere nur vage Vorstellungen von der Genfer Konvention hatten. Einer Army Erhebung in Fort Benning aus den 1960ger Jahren zufolge würden 60% der ausgebildeten Offiziere Gefangene foltern, um Informationen zu erhalten. 20% gaben sogar freimütig an, ihre Gefangenen zu erschießen, falls ihre Einheit in einen Hinterhalt gerate. 25% der Offiziere glaubten, es sei zulässig, Zivilisten sofort zu erschießen, falls diese verdächtigt würden, zu spionieren. Und deutlich mehr als 50% der Offiziere würde Gefangene nach einem Gefecht mit hohen eigenen Verlusten sofort erschießen.    


Selbstredend zog die genannte Erhebung in Fort Benning keine weiteren Konsequenzen nach sich. Auch die zukünftigen Offiziersgenerationen wurden über die Genfer Konvention im unklaren gelassen.    Dies als etwas anderes zu sehen, als eine bewusste Entscheidung der politischen und militärischen Führung, massenhaft Kriegsverbrechen zu begehen, fällt schwer. Dass mit dieser eindeutigen Schuldzuweisung an die Führenden und Mächtigen nicht die Schuld der Ausführenden relativiert wird, sollte aber ebenso klar sein.    


Den weit verbreitete Rassismus gab es selbstverständlich auch (oder gerade) in den höchsten Rängen. General Westmoreland äußerte sich über die Vietnamesen wie folgt: „Den Orientalen (=Vietnamesen) ist das [individuelle] Leben nicht so wertvoll, wie für einen westlichen Menschen. Das Leben im Orient ist hart und billig. … Die orientalischen Philosophen drücken dies auch so aus, das [individuelle] Leben ist hier nicht so wichtig“. [32]

  

5.3.1.2 Technokratische Kriegsführung und „Body Count“

Robert McNamara [33] führte bei den US-Streitkräften den statistisch-mathematisch begründeten „modernen“ Krieg ein. Sein Ziel zur Kriegführung war, den „Feind“ mehr verlieren zu lassen, als er ersetzen kann. Ist dieses der Fall, wird der Krieg ob kurz oder lang gewonnen.    


Um zu beurteilen, wie weit man vom (End)Sieg entfernt war, wurden zahlreiche statistische Größen eingeführt, die man auch bei den heutigen Kriegen des Westens noch kennt:


  • Anzahl der feindlichen Angriffe in einem Gebiet
  • Befriedungskoeffizient (dies erinnert doch sehr an Afghanistan und den Irak)   
  • sowie vor allem: Body Count, d.h. die Anzahl der getöteten Feinde


Im US-amerikanischen Vietnamkrieg drehte sich schließlich alles um den Body Count. Die mittleren und unteren Frontoffiziere, die Karriere machen wollten, waren gezwungen, möglichst viele „Feinde“ zu töten. Weniger ehrgeizige Offiziere, die ihre „Quote“ nicht erfüllten, wurden bestraft und mussten häufiger auf Patrouilliere gehen oder bekamen gefährliche Aufgaben zugewiesen. Tötete man dagegen besonders viele „Feinde“, bekam man Sonderurlaub, Extra-Rationen und Auszeichnungen.


So ist es nicht verwunderlich, dass es zwischen den Einheiten regelrechte „Body Count“ Wettbewerbe gab. Die Body Count Listen waren allgegenwärtig: sie wurden in den Messen ausgehängt („kill boards“), auf den Hubschraubern notiert, überall bekam man sie zu sehen. Diese zwanghafte Manie, zur Erfüllung der Quote töten zu müssen führte zwangsläufig dazu,  massenhaft vietnamesische Zivilisten zu ermorden und als feindliche Kämpfer auszugeben. Dies zeigt auch ein Lied der 1. Cavalry Division:   


We shot the sick, the young, the lame

We do our best to kill and malm

Because the kills count all the same  

Napalm sticks the kids.


Qx cart rolling down the road

Peasants with heavy load,

They´re all VC when the bomb explode

Napalm sticks the kids.“


Falls die Abschusszahlen zu niedrig waren, befahlen die Offiziere häufig, Gefangene ebenso zu ermorden, wie festgesetzte Zivilisten, die ohne Identitätskarte angetroffen wurden. Bei einigen Einheiten gab es so über Monate den Befehl, keine Gefangene zu machen. Unbewaffnete ermordete Zivilisten wurden dabei häufig mit Waffen drapiert, um damit zu „beweisen“, dass feindliche Kämpfer getötet wurden.  



5.3.1.3  Strategie „search and destroy“

Die US-Militärführung wollte die Aufständischen der NLF (Nationale Befreiungsbewegung, von den USA sowie von unseren Qualitätsmedien als „Vietcong“ - VC bezeichnet) durch „aggressive“ Patrouillen zwingen, das Gefecht aufzunehmen um sie dann durch das schnelle Heranführen überlegener Feuerkraft zu vernichten.   


Diese Strategie des „search and destroy“ ging aber von Anfang an nicht auf, da die Truppen der NLF die Gefechte immer nur dann aufnahmen, wenn die NLF dies wollte.


Trotz des offensichtlichen Scheiterns der Strategie fuhren die US-Truppen mit ihren aggressiven Patrouillen fort, was bedeutete im Operationsgebiet alles niederzubrennen, die Ernten zu vernichten und besonders in „Feuer-frei-Zonen“ auf alles zu schießen, was sich bewegte.


Wurde einmal eine Patrouille aus einem Dorf heraus beschossen, hatte der kommandierende Offizier drei Möglichkeiten:


  1. Abwarten – und dann den Vorgesetzten erklären, warum man trotz der Body-Count Vorgaben nichts unternommen hat, z.B. weil man die Zivilbevölkerung schonen wollte. Diese Erklärung kam aber bei den Vorgesetzten selten gut an. Oder
  2. In das Dorf gehen, so dass die eigene Truppe ihre Wut an den Dorfbewohnern auslassen konnten. Dann allerdings bestand die Gefahr, dass sich die NLF noch nicht zurückgezogen hatte, und man weiter beschossen wurde. Diese Option war aus Sicht der Frontoffiziere schon besser, weil die Body-Count Vorgaben eingehalten werden konnten. Aber man gefährdete sich damit selber. Um auch dies zu verhindern gab es ja noch Möglichkeit drei:
  3. Luft- oder Artillerieunterstützung anfordern und alles platt machen. Diese dritte Möglichkeit war das Mittel der Wahl, da einerseits der Body-Count erfüllt werden konnte, andererseits die eigene Gefährdung minimiert werden konnte.
 

Man mag angesichts des „feigen“ Mittel der Wahl der meisten Frontoffiziere die Nase rümpfen. Versetzt man sich dagegen in die Lage der Patrouillen -  feindliche Umgebung, andauernd dem Risiko beschossen zu werden ausgesetzt sein, unbekannte Infektionskrankheiten, Moskitos, die Hitze, der Durst und dann noch eine Ausbildung, die niemanden auf die tatsächlichen Gegebenheiten in Vietnam vorbereitete sondern im Gegenteil auf Grund der Rassismusindoktrination die gesamte vietnamesische Bevölkerung als legitimes Ziel sah und, nicht zu vergessen, die Vorgaben zur Erfüllung der Body Count Quoten – kann man schon verstehen, warum die Frontoffiziere meist Möglichkeit 3 wählten. Dies soll die Entscheidungen der Frontoffiziere nicht entschuldigen, nur erklären. 


Die Erklärung, Morden aus Angst und Stress mag für einen Großteil der Infanterie zutreffen. Für Kampfhubschrauberbesatzungen galten diese in keinem Fall. US-Kampfhubschrauber durften auf Vietnamesen nur zur Verteidigung schießen oder – man glaubt es kaum – falls die Menschen wegrannten. Dies wussten die Vietnamesen irgendwann, weshalb sie bei Herannahen von Hubschraubern meist stehen blieben und nichts taten. Das war aber vielen Hubschrauberbesatzungen zu langweilig. Sie taten daher alles, damit die Vietnamesen am Boden davonliefen, z.B. extremes Tieffliegen oder der Abwurf von Tränengas. Rannten dann die Vietnamesen weg, wurden sie gnadenlos mit der Bordwaffen niedergestreckt. Dies hat – auch falls aktenkundig wurde, dass die Vietnamesen nur auf Grund des vorherigen Einsatzes von Tränengas wegrannten - selbstverständlich keine negativen Konsequenzen für die Hubschrauberbesatzungen gehabt. Im Gegenteil: die Ermordeten wurden flugs zu „Vietcong“ und zählten für die Body Count Quote.    


Zur Strategie des search and destroy zählte auch die Einrichtung von „Feuer Frei Zonen“. In diesen Zonen wurde buchstäblich auf alles geschossen, was sich bewegte. Die Mehrheit der Infanterie glaubte, in Feuer-Frei-Zonen sei es erlaubt, auch auf Zivilisten, und sogar auf Kinder und ganz alte Menschen zu schießen. In Feuer-Frei-Zonen wurde zudem alles zerstört, was möglich war: Häuser, Hütten. Lebensmittellager, Kirchen, Ernten, Bewässerungssysteme und das gesamte Vieh. Nach einer Order von General Westmoreland durften Feuer-Frei-Zonen aber nur in Gebieten, die von der NLF beherrscht waren, eingerichtet werden. Dies waren aber bereits 1964 schon 40% der Fläche von Südvietnam! Falls die Bevölkerung ausreichend vorher „gewarnt“ wurde [34], durften die Zonen auch außerhalb des NLF-Gebietes eingerichtet werden. Nur: Die Warnungen per Lautsprecher oder per Flugblatt kamen oft spät. Hinzu kam, dass die Menschen oft nicht wussten, wohin sie fliehen sollten.    



5.3.1.4 Testgebiet für immer perversere Waffen

Das US-Militär nutzte Vietnam als Testgebiet für immer neue Waffen – ganz ähnlich, wie die Wehrmacht mit der Legion Condor den spanischen Bürgerkrieg zum Testen immer neuer Waffen und Strategien nutzte. Die treibende Kraft hinter der Benutzung Vietnams als Waffenlabor war General Maxwell Taylor.  


Seit den 50ger Jahren entwickelte die US-Waffenindustrie immer perversere Waffen, deren ausdrückliches Ziel es war, Menschen schwer zu verwunden oder zu verstümmeln, und nicht mehr sofort zu töten. Dies, weil ein schwer Verwundeter mehr „feindliche Kräfte“, als ein Toter bindet. Diese neuen und immer grausameren Waffen wurden ausgiebig im Vietnamkrieg getestet.     


So wurden bereits in dieser Zeit bereits Geschosse entwickelt, die in sehr viele, sehr kleine und sehr schnelle Splitter explodierten. Diese kleinen, sehr schnellen Splitte konnten nur mit sehr großem Aufwand wieder aus einem Menschen herausoperiert werden.


Dazu wurden Cluster-Bomben eingesetzt, anfangs die BLU-3 "Pineapple". Die BLU-3 war ein relativ kleiner Behälter, der 250 Stahlpellets enthielt, die nach seiner Explosion in alle Richtungen mit hoher Geschwindigkeit davonflogen, vor allem um Menschen in der Umgebung zu durchlöchern. Ein B-52 Bomber konnte je Einsatz 1.000 "Pineapple" abwerfen, die 250.000 Stahlpellets enthielten.


Die wenig später eingesetzten "Guava" Cluster-Bomben CBU-24 waren noch tödlicher. Eine CBU-24 war mit 640 bis 670 BLU-26 Bomblets beladen, die jeweils 300 Stahlpellets enthielten. Je CBU-24 wurden daher fast 200.000 Stahlpellets mit hoher Geschwindigkeit an der Explosionsstelle der Bombe "verteilt". Ein B-52 Bomber konnte je Einsatz 38 CBU-24 abwerfen, die zusammen mehr als 7.500.000 Stahlpellets enthielten. Zwischen 1966 und 1971 warf die US Air Force über Vietnam alleine 285.000.000 "Guava" ab...


Es muss – denke ich – eigentlich nicht weiter betont werden: Der Einsatz von Waffen, die Menschen nur verstümmeln sollen und die vorsätzlich „unnötiges“ Leiden verursachen, ist ein Kriegsverbrechen.

Dieses gilt erst recht für den Einsatz von Napalm, das ebenfalls ausgiebig in Vietnam eingesetzt wurde, insgesamt über 373.000 t. Wie „erfolgreich“ Napalm im Sinne ihrer Erfinder war, verdeutlichen folgende Zahlen: Nur 35% der Napalmopfer starben binnen 20 Minuten, 52% dagegen starben innerhalb von oft qualvollen Monaten und bevor die Wunden heilen konnten. Die wenigen Überlebenden waren erheblichen andauernden Schmerzen ausgesetzt und waren meist schwer verstümmelt, da Nasen, Lippen etc. oft weggebrannt waren.


Weiter wurde weißer Phosphor eingesetzt, der so lange bis auf die Kochen durchbrennt, wie Sauerstoff da ist. Alleine die US-Air-Force setzte in Vietnam 3.000.000 weiße Phosphorraketen ein.  


Außerdem wurden über 7.000.000 l Herbizide – größtenteils Agent Orange – eingesetzt, wobei das Ziel oft nicht das Entlauben von Urwald, sondern das Vernichten von Ernten war. 1965 wurden 42% der Entlaubungsmitteleinsätze gegen Reisfelder geflogen! Dies hatte selbstredend Folgen. Neben der großflächigen Verseuchung der Menschen, die den Herbiziden ausgesetzt waren und die teilweise erst Jahre nach offiziellem Ende des Vietnamkrieges an Krebs starben [35] hatte die Vernichtung von Kulturland katastrophale Wirkung auf die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung [36], Während Vietnam noch Anfang der 1960ger Jahre einer der größten Reiseexporteure der Welt war, musste das Land ab Mitte der 1960ger Jahre große Mengen Reis importieren. 

Aber nicht nur chemisch war die US-Kriegführung total. Auch mechanisch konnten sie einiges vorzuweisen. So wurden schon in den 1960ger Jahren im großen Maßstab Planierraupen zur Zerstörung von Reisfeldern und Wäldern eingesetzt. Die „Effektivität“ der Zerstörung konnte ab 1971 mit Einführung großer Caterpillar-Maschinen noch einmal deutlich gesteigert werden. Insgesamt haben Bulldozer etwa 2% der Fläche in Vietnam „platt“ gemacht.



5.3.2      Die Kriegsverbrechen im Einzelnen  

5.3.2.1 Exzessiver Luft- und Artilleriekrieg gegen dicht besiedelte Gebiete

Der Einsatz der Luftwaffe und von schwerer Artillerie in dicht besiedelten Gebieten ist ein Kriegsverbrechen, da schon per se nicht zwischen feindlichen Soldaten und Zivilisten unterschieden werden kann.  


Grundsätzlich wurden alle Orte, aus denen US-Truppen beschossen wurden, aus der Luft bombardiert. Am meisten traf es Quang Tri, das im Durchschnitt pro km² von mehr als 3.000 Bomben getroffen wurde.


Insgesamt wurden nur 11 von 3.500 größeren Orten in Südvietnam nicht ausführlich bombardiert – im Umkehrschluss lagen 99,7% der größeren Orte Südvietnams im Fadenkreuz der US-Luftwaffe [37].    


So ist es nicht verwunderlich, dass nicht in Nordvietnam, sondern in Südvietnam die meisten Bomben fielen. In Südvietnam wurden die US-Luftstreitkräfte noch nicht einmal durch eine schwache Luftabwehr bedroht.


Zwischen 1965 und 1973 gab es 126.615 B-52 Einsätze in Vietnam, davon die Mehrheit in Südvietnam. Wie sah ein typischer B-52 Einsatz aus? Sechs Bomber flogen in Formation und konnten so auf einer Fläche eines Rechteckes von etwa 1 km Breite und mehr als 10 km Länge alles zerstören.    


Allerdings wurde mit einem Drittel nur eine Minderheit der Bomben durch B-52 abgeworfen. 2/3 der Bomben gingen auf das Konto von kleineren Flugzeugen, wie der F4 „Phantom“, die in überwältigender Mehrheit in Südvietnam eingesetzt wurden.  


Und dann gab es noch den Tod aus Hubschraubern. Es gab zahlreiche „Operationen“, beispielhaft sei hier die Operation „Phantom III“ des 307th Combat Aviation Batallion genannt, die zwischen Januar und Oktober 1969 im Mekongdelta durchgeführt wurde. Hier wurden in 862 Einsätzen laut offiziellen US-Statistiken 13.828 Gebäude zerstört und 1.698 Menschen ermordet, meist Bauern während ihrer Feldarbeit.


Der Tod aus der Ferne kam auch durch die US-Artillerie. Alleine 1969 wurden 10.000.000 Granaten verschossen, insgesamt „verbrauchten“ alle US-Streitkräfte in Vietnam die ungeheuerliche Mengen von 7.500.000 t Artilleriemunition! Hierzu sollte man wissen, dass 90% des Artilleriefeuers nicht durch Bodentruppen angefordert und geleitet wurde, sondern  routinemäßig erfolgte. Dabei wurde – um die Spannung bei den Beschossenen zu erhöhen - zu unterschiedlichen Zeiten geschossen, vorzugsweise zur Steigerung des Terrors nachts.

  

Angesichts dieses exorbitanten Materialeinsatzes an Munition ist es nicht verwunderlich, dass alle Besucher des ländlichen Vietnams ab Anfang der 1970ger Jahre schwer erschüttert waren: Es gab praktisch keine heilen Gebäude, Bombenkrater wechselte sich mit Bombenkrater ab, praktisch alles war zerstört.   



5.3.2.2 Vertreibung der Landbevölkerung / „Umsiedlungen“

Bedenkt man das Ausmaß an Zerstörungen, ist einsichtig, dass viele Menschen innerhalb Vietnams auf der Flucht waren. Hinzu kam, dass US-Truppen und ihre südvietnamesischen Helfer 100.000de „zwangsumsiedelten“. Eine Zwangsumsiedlung bedeutete, dass alle Dorfbewohner zusammengetrieben und weggefahren wurden. Die Dörfer wurden vollständig niedergebrannt, alles Vieh getötet, Reisfelder zerstört, Bäume abgehackt und Brunnen vergiftet. Ein derartiges Dorf galt in den US-Statistiken als „befriedet“ [38].


Die „zwangsevakuierten“ Dorfbewohner wurden zusammen mit Flüchtlingen in Gebiete gebracht, die mit Stacheldraht gegen Flucht gesichert waren und  weniger Dörfern, als Gefängnissen glichen. Pro Familie wurde ein Behelfshaus zur Verfügung gestellt, d.h. einen Raum, ohne Fenster und ohne Tür. Es gab

  • zu wenig Essen
  • kein frisches Wasser
  • kaum ärztliche Versorgung
  • kein bebaubares Land
  • kaum Arbeit
  • kaum Schulen

87% der Insassen derartiger „Einrichtungen“ gab an, ihre Situation hätte sich gegenüber ihrem Leben in den Dörfern verschlechtert – und dies obwohl sie in ihren Dörfern unter regelmäßigem US-Beschuss litten. 


Daneben flohen viele Vietnamesen in die großen Städte, vorwiegend nach Saigon – Ende der 1960ger Jahre die am dichtest besiedelte Stadt der Welt. Hier gab es aber auch nichts, weder ausreichend Nahrung, noch Wasser, noch hinreichend Möglichkeit zur Hygiene. Die Kindersterblichkeit in Saigon betrug ab 1966 mehr als 30%. Neben Cholera und Tuberkolose gab es auch Pockenepidemien. Und es gab erst Recht keine Arbeit – bis auf eine: Prostitution. In den 1970ger Jahren gab es in Vietnam mehr als 500.000 Prostituierte, etwa 2,5% der Bevölkerung [39].   


Herr Samuel Huntington – vielbeachteter Autor des Buches „Kampf der Kulturen“ - hat 1968 in der Zeitschrift Foreign Affairs einen Artikel veröffentlicht, in dem er die oben beschriebene Landflucht nach Saigon begrüßte. So könne die „Modernisierung des Landes“ forciert werden. Schließlich „verdienten“ die Menschen in Saigon mehr als auf dem Land. Ohne erkennbaren Zynismus erklärt Huntington in seinem Artikel, dass der Krieg als „Katalysator“ für eine „erzwungene Modernisierung“ auch sein Gutes hätte. Wobei er „vergaß“, dass die Menschen auf dem Land kaum Ausgaben, aber dafür bestellbares Land hatten und kaum Hunger leiden mussten.   



5.3.2.3 Gleichgültigkeit gegenüber den Vietnamesen    

Die US-Truppen in Vietnam fuhren meist ohne Rücksicht und mit sehr hoher Geschwindigkeit durch Land und Städte. Falls die Vietnamesen bei herannahenden US-Fahrzeugen nicht rechtzeitig in den Straßengraben sprangen, wurden sie über den Haufen gefahren. Selbst kleinere Fahrzeuge, wie motorisierte Dreiräder waren besser beraten, US-Truppen unverzüglich die Straße freizugeben – ansonsten wurden sie von den schweren LKW einfach überfahren. Gab es einen Unfall, hielten die US-Soldaten nur sehr selten an.


Angehörige der bei Verkehrsunfällen getöteten Vietnamesen erhielten – falls sie dies nachweisen konnten, was selten genug möglich war – eine Entschädigung: 33 $ für einen Erwachsenen und 16,50 $ für ein Kind [40].    


Aber die Vietnamesen wurden nicht nur aus Gleichgültigkeit überfahren. So gab es bei den Fahrern der schweren LKW ein Spiel, „gook-hockey“ genannt, bei dem der gewonnen hatte, der pro km die meisten Kinder überfahren konnte.    


Selbstverständlich blieb dieses für die „spielenden“ US-Soldaten straffrei. Wie es auch straffrei blieb, falls US-Soldaten aus Langeweile aus ihren LKW auf Häuser und Passanten schossen.



5.3.2.4 Foltern und Foltern lassen

Der US-amerikanische Geheimdienst CIA sowie die staatliche Entwicklungshilfeorganisation (!) USAID unterrichteten südvietnamesische Kräfte von 1962 bis 1974 über „Befragungstechniken“ (=Folter). Bereits seit 1963 stand ihnen das Folterhandbuch „Kubark Counterintelligence Interrogation“ zur Verfügung. CIA und USAID konnten bis Anfang der 1970ger Jahre mehr als 85.000 Folterknechte ausbilden.


Daher hatten die Qualitätsmedien nicht ganz unrecht, wenn sie Folter mit Südvietnam gleichsetzten. Folter sei eine „vietnamesische“ Methode und – so die Pressestellen der US-Armee „unamerikanisch“ [41]. Wobei unglücklicherweise „vergessen“ wurde, dass die vietnamesischen Folterknechte durch US-Berater ausgebildet wurden. Und dass US-“Berater“ meist bei den Folterungen anwesend waren.    


Hinzu kommt, dass Folter durch US-Truppen Vor-Ort ebenfalls gang und gäbe war. Zu dem Repertoire der US-Kampftruppen zählten Elektroschocks, Waterboarding, Schläge und andere Misshandlungen. Die War Crimimal Working Group der US-Armee hat 141 derartige Folterungen beschrieben, was zweifellos nur die Spitze des Eisberges war. Hinzu kam, dass US-Truppen oft vietnamesische Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchten oder dass diese zum „Minensuchen“ einsetzten ...  


Zum Umfang der Folterungen (ohne die Vor-Ort-Folterungen der Kampftruppen): Im Vietnamkrieg waren mehrere 100.000 Vietnamesen in „Befragungscentern“ interniert und wurden dort regelmäßig gefoltert.


1968/69 hat das Rote Kreuz 60 „Befragungscenter“ der US-Truppen identifiziert, in denen regelmäßig und systematisch gefoltert wurde. Die Reaktion der US-Truppen: Sie übergaben die „Befragungscenter“ an Südvietnam – an der Folterpraxis wurde nichts geändert.  


Noch ein Wort zu Folterungen auf der Gegenseite: Auch die hat es gegeben, etwa 800 gefangene US-Soldaten wurden gefoltert. Ohne die Folter durch NLF und nordvietnamesischen Truppen verharmlosen zu wollen: Man erkennt alleine an dieser Zahl, dass Größenordnungen zwischen der Folter durch US-Truppen und deren Verbündete liegen.      



5.3.2.5 Todeslisten

Bereits im Vietnamkrieg führten die US-Truppen Todeslisten über missliebige Personen in Südvietnam, die als Unterstützer der NLF galten. Ziel der Mordprogramme war es, die "Vietcong-Infrastruktur" zu zerstören. Parallelen zu den heutigen Todeslisten der US-Regierung (=> "Drohnenmord") sind unübersehbar.


Im Rahmen des Programms "Phoenix" wurden alleine 1969 19.534 Personen "neutralisiert", wovon 4.832 ermordet wurden. Von den alleine 1969 fast 20.000 "neutralisierten" Personen waren aber nur 150 eindeutig als NLF-Kader identifiziert. Insgesamt wurden bis 1971 im Rahmen des "Phoenix" Programms entsprechend offiziellen US Zahlen 20.587 Menschen ermordet.


Durchgeführt wurden die Mordprogramme meist von US-Spezialeinheiten, wie die "Green Barets" oder die "Tiger Force", beides Einheiten, die heute - falls man sie benennt - eher positiv besetzt sind. Diese "Spezialkräfte" haben aber auch außerhalb des "Phoenix"-Programms offenen Mord begangen. Beispielsweise falls Gefangene, die von den Spezialkräften gefoltert wurden, als "Gefahr" eingestuft wurden - was der Regelfall war, denn alleine die Tatsache, dass die Gefolterten über die Folter durch die "Green Barets" reden konnten, stellte eine Gefahr dar.



5.3.2.6 Das Wüten der 9. Infanteriedivision im Mekongdelta

1968 erhielt der Zwei-Sterne General Julian Ewell [42], ein „Held“ aus dem 2.Weltkrieg, das Kommando über die 9. Infanteriedivision im Mekongdelta. Während seiner Befehlszeit war das Töten von Zivilisten Standardprozedur. Der Body Count bestimmte ohne Gnade das Denken von Herrn Ewell, er war geradezu besessen davon, die Anzahl der getöteten „Feinde“ zu steigern. Während er sich zu Beginn seines Kommandos mit 4.000 getöteten „Feinden" pro Monat zufrieden gab, erhöhte er die Quote wenig später auf mindestens 6.000 zu tötende „Feinde“ pro Monat. Seinen Spitznamen „the butcher of the delta“ bekam er daher nicht von ungefähr.    


Als Ewell die 9te übernahm, war das Verhältnis zwischen toten „Feinden“ (meist Zivilisten, s.o.) und toten US-Soldaten 8:1, etwas höher, als im restlichen Vietnam. Im Juli 1968 und nur wenige Monate nachdem Ewell die 9te übernommen hatte, stieg die Quote auf 14:1. Aber das war noch vor der berüchtigten Operation „Speedy Express“, die von Dezember 1968 bis Mai 1969 durchgeführt wurde. In den ersten Monaten von Speedy Express schnellte die Quote auf 24:1, im März 69 wurden schon 68:1 erreicht und zum Ende im April 1969 gar 134:1.    


Die Zahlen waren so beeindruckend, dass Ewell von der Politik und vom Oberkommando vollkommen freie Hand bekam. Und er nutzte dies weidlich aus: B-52 Flächenbombardements, der exzessive Einsatz von Napalm, selbst Schiffsartillerie [43] wurde im dicht besiedelten Mekongdelta eingesetzt. Außerdem wurden erstmals im großen Stil Nachtsichtgeräte eingesetzt, so dass die Angriffe auf die Vietnamesen auch nachts durchgeführt werden konnten. Die bessere „Sicht“ führte aber nicht dazu, die Zivilbevölkerung von dem Feuer auszunehmen: Im Gegenteil: Es wurde auf alles geschossen, was sich bewegte, Wasserbüffel waren ein bevorzugtes Ziel der US-Truppen [44].  


Aber, wen wundert es: Speedy Express führte nicht etwa dazu, die NLF zu schwächen. Im Gegenteil: Am Ende von Speedy Express war die Zahl der NLF-Kämper höher, als zu Beginn der Operation.      


Selbstverständlich wurde niemand für die im Rahmen von Speedy Express begangenen Verbrechen belangt. Und dies, obwohl die offizielle „Todesrate“ von 134:1 absurd hoch war. Im Gegenteil: Die Army versuchte anonyme Whistleblower mit allen Mitteln zu identifizieren und einzuschüchtern. Und obwohl es insbesondere gegen den Stellvertreter von Herrn Ewell, den Chief of Staff Ira Hunt zahlreiche Anzeigen wegen Kriegsverbrechen gab, die dieser direkt begangen oder befohlen hatte, passierte … nichts. Jedenfalls Herrn Hunt nicht.  


Was geschah mit den beiden kommandierenden Offizieren der 9ten?    

Herr Julian Ewell wurde noch 1970 befördert und agierte als oberster militärischer Berater der US-Regierung bei den Friedensgesprächen in Paris! 1973 verließ er mit 58 Jahren die US-Streitkräfte. Zusammen mit Ira Hunt veröffentlichte Julian Ewell das Lehrbuch „Sharpening the Combat Edge“, in dem sie ihre „Erfahrungen“ von Speedy Express an künftige US-Befehlshaber weiter geben. Selbstredend schwärmen beide über die Erfolge von Speedy Express und wissen nichts über das massive Morden von Zivilisten. Wie es sich gehört, erfreute sich Julian Ewell einer guten Gesundheit und starb erst im Jahr 2009 als 94-jähriger (über das Schicksal von Herrn Ira Hunt konnte ich leider nichts erfahren).



5.4 Umgang offizieller US-Organe mit den Kriegsverbrechen

5.4.1 Sergeant Roy Baumgarner

Selbst falls es Untersuchungen zu Kriegsverbrechen durch US-Militärangehörige gegeben hat und diese die Schuld des Beklagten ergeben hatten, passierte ... meist nichts.

Bestes Beispiel sind die Taten von Sergeant Roy Baumgarner, 1.Cavalry Division, 173rd Airborne Brigade, der alleine mehr als 1.500 "Vietcong" - so die offizielle Legende - bei Gefechten getötet hat. Baumgarner war aufgrund seiner Tötungsrate sehr populär, niemand (offizielles) fragte, wie es ein einzelner (Boden)Soldat schaffen konnte, 1.500 feindliche Soldaten im Gefecht zu töten, ohne dass ihm selbst etwas passiert war. Baumgarner wurde schon früh von einem anderen Soldaten seiner Einheit, Arthur Williams, angezeigt, weil Baumgarner gerne und häufig unbewaffnete Zivilisten erschoss und den Toten dann NLF-Waffen unterschob. Williams hatte es nach seiner Anzeige schwer, Vietnam lebend zu verlassen ...


Gegen Baumgarner wurde dann doch ermittelt, weil er drei unbewaffnete Teenager ermordet hatte und beim Verwischen von Beweisen doch etwas schlampig war. Bei einer ersten Befragung von anderen Soldaten seiner Einheit durch die Militärgerichtsbarkeit gaben diese noch an, dass Baumgarner - ganz wie Arthus Williams behauptet hatte - seht häufig Zivilisten ermordete. Darauf wurde Anklage gegen Baumgarner erhoben. Bei dem Gerichtsverfahren hielt aber keiner seiner "Kameraden" die Anschuldigungen aufrecht - im Gegenteil: Alle lobten den verantwortungsvollen Sergeant Baumgarner.

Baumgarner wurde dennoch von dem Militärgericht verurteilt: Wegen dreifacher "versehentlicher Tötung von Zivilisten". Als Strafe wurde er um einen Rang degradiert - nach 6 Monaten wurde er aber schon wieder zum Sergeant befördert.

Ansonsten hatte Baumgarner nichts zu befürchten. Er durfte nach der Gerichtsverhandlung weiter in Vietnam bleiben, junge Soldaten führen und in seiner Art der "Kriegführung" ausbilden.

1972 war er sogar der Held in einem Artikel der New York Times, in dem er als Freund der Vietnamesen dargestellt wurde, der Land und Leute liebte!

Der Ankläger gegen Baumgarner vor dem Militätgericht, Lieutenant Berenbek schrieb darauf einen erbosten Leserbrief an die New York Times, in dem er Baumbarner als Mörder bezeichnete und dies auch ausführlich begründete. Logischerweise ignorierte die Times den Leserbrief noch nicht einmal ...



5.4.2 Meldungen von Kriegsverbrechen

Es gab währen des Vietnamkrieges aus jeder Einheit bereits ab Anfang der 1970ger Jahre umfangreiche Meldungen von US-Militärangehörigen über Kriegsverbrechen, die durch US-Truppen begangen wurden. Selbst beeidete Aussagen, wie die der "Winter Soldiers" 1971 wurden sowohl von den Strafverfolgungsbehörden, als auch von der freien Presse noch nicht einmal ignoriert.


US-Soldaten, die offen gegen die Verbrechen angingen, riskierten es beim nächsten Feuergefecht durch "Friendly Fire" umzukommen - was leider häufiges Schicksal von zu aufmüpfigen Whistleblowern war.


Aber selbst vorsichtigere Soldaten wurden nach einer Zeugenaussage oft massiv eingeschüchtert. Die offiziellen Institutionen, die zur Aufklärung von Straftaten eingerichtet waren - wie das CID oder die War Criminal Working Group - taten sich weniger durch Ermittlungen wegen der angezeigten Straftaten hervor, sondern versuchten massiv, die Zeugen einzuschüchtern und ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben [45]. Falls doch ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, wurde dieses so gut es ging verschleppt und häufig mit fadenscheiniger Begründung eingestellt.


Nach My Lai tat die US-Regierung alles, um weitere Ermittlungen bereits im Keim zu ersticken. Dazu ordnete "Verteidigungs"minister Laird im Frühjahr 1971 an, dass alle Untersuchungen des CID zu Kriegsverbrechen direkt dem Pentagon unterstellt werden.   


5.5 Die Rolle der freien Presse  

Die freie Presse ignorierte vor 1971 die vielfältigen Berichte über US-Kriegsverbrechen in Vietnam und tat diese als kommunistische Propaganda ab.

Nach den (öffentlichen) Diskussionen zum Massaker von My Lai gab es aber auch keine weiteren Veröffentlichungen zu Kriegsverbrechen, da alle genannten Massaker in ihrem Umfang kleiner waren, als My Lai – das zudem bedauerliches Einzelereignis durch das Fehlverhalten Einzelner sei. 1973/74 ging dann die Presse dazu über, jede neue Meldung zu Kriegsverbrechen als „alten Hut“ und „längst bekannt“ zu bezeichnen.    Wir haben also folgende Abfolge:   

  • vor 1971: noch nicht einmal ignorieren
  • 1971-1973: erst leugnen, dann relativieren
  • seit 1973: alle Berichte über US-Verbrechen werden als „alter Hut“ bezeichnet, die nur noch von akademischem Interesse seien.   

Selbstredend wurden Journalisten und deren Informanten, die massive Verbrechen veröffentlichen wollten, von ihren Verlagen nicht geschützt – im Gegenteil, wie folgendes exemplarisch zeigt:


Alexander Shimkin hat Ende der 60ger / Anfang der 70ger Jahre alle Pressemitteilungen der US-Streitkräfte ausgewertet. Bei den Mitteilungen zur Operation „Speedy Express“ (siehe oben) fiel ihm das deutliche Mißverhältnis zwischen getöteten VC und gefundenen Waffen auf. Shimkin wandte sich darauf an den Newsweek Reporter Kevin Buckley, der sofort die Brisanz der Auswertungen erkannte. Beide recherchierten weiter und befragten Opfer und Täter. Buckley schrieb über die Ergebnisse ihrer Recherchen einen langen Artikel, den er am 17.1.1972 an Newsweek kabelte – das ihn nicht veröffentlichte. Buckley durfte seinen Artikel auch an keiner anderen Stelle veröffentlichen – schließlich hatte er die Recherche exklusiv für Newsweek durchgeführt. Nach langem hin und her erschien am 19.6.1972 ein stark gekürzter und ebenso stark verfremdeter Artikel – die eigentliche Brisanz des massenhaften und systematischen Mordens war nicht mehr zu erkennen.    Wie es sich gehört, erging es weder Rechercheuren, noch Informanten des Buckley-Artikels besonders gut. Der wesentliche Informant, John Paul Vann starb noch im Juni 1972 bei einem Hubschrauberunfall in Vietnam. Alexander Shimkin wurde in der Provinz Quang Tri erschossen. Alle weiteren Wistleblower zogen es darauf vor zukünftig zu schweigen. 

Auch andere hatten es schwer, veröffentlicht zu werden. Dass Soldat Ridenhour Schwierigkeiten hatte, eine Zeitung zu finden, die seinen Erkenntnissen zum Massaker von My Lai nachgehen wollte, dürfte klar sein. Aber selbst der renommierte Simon Hersh gelang es nur auf Grund seiner Beharrlichkeit, das Massaker von My Lai an das Licht der Öffentlichkeit zu bringen.    

Angesichts der Flächenbombardements, zu erfüllenden Body-Count Quoten, des offenen Rassismus, des Einsatzes gigantischer Mengen an Napalm, Clusterbomben, Artilleriemunition und chemischen Waffen bezeichnen unsere Qualitätsmedien den Vietnamkrieg bestenfalls als „Fehler“, aber nie als Verbrechen. Und oft werden Nordvietnam oder der NLF (die bei unseren Qualitätsmedien immer noch Vietcong heißen) eine wesentliche Teilschuld gegeben [46].  



5.6  Statt eines Schlusswortes: My Lai 

Die US-Regierung war bereits 1969 über das Massaker in My Lai informiert. Mitglieder der US-Regierung hatten Angst, dass sich ein Prozess über das Massaker zu einem ähnlichen, wie die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse ausweiten könne [47].  


Die Angst war nicht ganz unbegründet, da 1971 Telford Taylor, Assistent (Beigeordneter Ankläger) des amerikanischen Hauptanklägers bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen und später selber Chefankläger in den Nürnberger Nachfolgeprozessen, in der „Dick Cavett Show“ die Ansicht vertrat, dass General Westmoreland nach den Yamashita-Standards schuldig sei. Yamashita war kommandierender General japanischer Truppen, die nachweislich Kriegsverbrechen begangen hatten. General Yamashita wurde in einen US-Kriegsverbrecherprozess zum Tode verurteilt, obwohl er zum Zeitpunkt der Verbrechen keinen Kontakt mehr zu seinen Truppen hatte.   


Daher wurde zunächst eine Army-interne Untersuchung angeordnet, die den Fall unter den Tisch kehren sollte. Obwohl der Vorsitzende der Untersuchungskommission, Lieutenent General William Peers einen nur sehr begrenzten Untersuchungsauftrag hatte, nahm er diesen ernst, und fand deutliche Worte über das Morden und - aus Sicht des Pentagon viel schlimmer - über die Befehlsstrukturen, die dieses erst möglich machten. Peers stellte insbesondere die persönliche Schuld des Kommandeurs der 11. Infanteriebrigade, Colonel Oran Henderson fest, da dieser


  1. das Massaker, obwohl er darüber informiert war, nicht stoppte
  2. keine Untersuchung einleitete, sondern
  3. alles tat, um das Massaker zu verschleiern, insbesondere vorsätzliche falsche Angaben zum Hergang, den Opfern und der Anzahl der Opfer (20 Zivilisten, die ins Kreuzfeuer zwischen US-Truppen und denen der NLF gekommen sind) machte.

Peers hat aber in seinem Bericht nicht nur My Lai benannt, sondern auch andere Massaker, die nahe My Lai 1968 verübt wurden. Dies war dem Pentagon definitiv zu viel. Der Peers Bericht wurde daher im März 1970 stark "überarbeitet", wobei seine Aussage ins Gegenteil verkehrt wurde.

Der Originalbericht kam erst 1974 an das Licht und wurde ... man ahnt es: von Strafverfolgungsbehörden und freier Presse noch nicht einmal ignoriert.


Zum Abschluss noch ein Wort zu Leutnant Calley. Calley war eindeutig "Bauernopfer". Er war ein rangniederer Offizier und - im Gegensatz zu den zahlreichen nicht belangten höheren Offiziere - kein West Point Absolvent. Seine Verurteilung diente vor allem dazu, die höheren Chargen von allen Vorwürfen freizusprechen. 


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[29] Die dargestellten Fakten wurden größtenteils dem Buch „Kill Anything That Moves“ von Nick Turse entnommen. Nick Turse hat für sein Buch neben der Auswertung von offiziellen Unterlagen hunderte US-amerikanische Vietnamkriegsveteranen vom General bis zum einfachen Soldaten befragt. Dabei waren auch solche, die Kriegsverbrechen beobachtet und solche, die sie begangen haben. Interessant ist, dass nahezu alle von ihm befragten auskunftsfreudig waren, ja viele einfache Soldaten waren froh, dass ihnen endlich jemand zuhört, der wie Nick Turse wusste, wie der Krieg in Wirklichkeit geführt wurde und nicht das allgemeine Bla-Bla wiederholte.
   Nick Turse betont, dass er in seinem Buch nur einen kleinen Teil der blinden Zerstörungen, des unterschiedslosen Tötens bis hin zu kaltblütigen Massakern darstellen konnte. Die Verbrechen konnten – neben der Tatsache, dass es so viele waren - nur unvollständig benannt werden, weil er  trotz des Freedom of Information Act oft keine Unterlagen selbst bei den Verbrechen einsehen konnte, wo er Zeit und Ort klar benennen konnte. Offizielle Gründe waren: „Die Akten wurden verlegt“ oder „wurden versehentlich vernichtet“, oder waren schlicht „verschwunden“. Die Verweigerung der Akteneinsicht betraf vor allem Verbrechen der Marines und der Luftwaffe, weniger die der Army.    

[30] Man könnte dies als die „Wenn der Führer das wüsste“ Darstellung bezeichnen. Sie wird – so mein Eindruck – immer dann von den Mächtigen unter das Volk gebracht, wenn Staatsverbrechen nicht mehr geleugnet werden können. Dann werden die Staatsverbrechen mit der Gier und dem Machtmissbrauch der mittleren und unteren Chargen erklärt. Die Oberen sind fein raus, Staatsverbrechen werden nicht mehr als prinzipielles Problem eines Systems mit intransparenter Macht gesehen.
       
[31] Hierzu die erhellenden Aussagen von heutigen NATO-Truppen über ihre zivilen Opfer, die für westliche Truppen typisch sind: Ein US-Soldat, der am Massaker in Haditha teilgenommen hatte, bei dem US Marineinfateriesoldaten aus Rache 24 irakische Zivilisten, davon 5 Kinder und einen Behinderten im Rollstuhl ermordet hatten, äußerte sich auf die Frage, ob er mit den irakischen Opfern seiner Einheit Mitleid hätte, wie folgt:Nein … wahrscheinlich sind die Hälfte von ihnen ohnehin Verbrecher, man weiß einfach nichts Genaues über sie. Ich habe nie wirklich über sie nachgedacht.“ Oder deutsche Soldaten zu den zivilen Opfern des Oberst Klein in Kunduz: "Das war ein sauberer Treffer". Dass dort auch unschuldige Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen, kann der Soldat nicht glauben. "Das nächste Dorf liegt kilometerweit entfernt, was haben Zivilisten nachts auf einer Sandbank im Fluss zu suchen. Die, die dort umgekommen sind, waren keine Schäfchen."         


[32] Wer Parallelen zur offiziellen Einschätzung unserer Qualitätsmedien zu den modernen „Orientalen“, den Moslems sieht, könnte richtig liegen ...


[33] Eine Anmerkung zu Robert McNamara, der in unseren Qualitätsmedien als „gemäßigt“ gilt, weil er rückblickend den Vietnamkrieg als großen Fehler bezeichnete. McNamara äußerte sich 1967 wie folgt: „Die wichtigsten Entscheidungen in der Politik wie in der Wirtschaft müssen stets an der Spitze getroffen werden. Das ist ja ihre Aufgabe [die der Spitze], wenn auch nicht ihre einzige“.

Nicht unbedingt ein Bekenntnis zur Demokratie...

Und noch eine Anmerkung: Der US-amerikanische Vietnamkrieg war nicht – wie McNamara und Qualitätsmedien behaupten – ein Fehler, sondern ein Verbrechen von gigantischem Ausmaß.   


[34] Ich glaube, ich muss es nicht gesondert erwähnen: Alleine das Einrichten von Feuer-Frei-Zonen widerspricht eindeutig dem Kriegsrecht und ist ein Kriegsverbrechen. Eine vorherige Warnung der Zivilbevölkerung ändert nichts an dieser Tatsache.

  
[35] Etwa 2.000.000 Vietnamesen wurden durch Agent Orange und andere chemische Waffen vergiftet, von denen bis 2009 etwa 400.000 Menschen an den Folgen der Vergiftungen starben.

  
[36] Was – so zynisch dieses klingen mag – auch das wesentliche Ziel des US-Militärs war. Auf diese Weise wollte man die Landbevölkerung in Flüchtlingslager vertreiben und so der NLF die Basis entziehen.


[37] Es wurden neben „Bunkern“ - d.h. in die Erde gebuddelte Löcher, in denen sich die Bevölkerung gegen Splitter bei Bombenangriffen in Sicherheit bringen wollte - Bambushütten, Krankenhäuser, Tempel, Pagoden, Schulen usw. bombardiert


[38] Die Flüchtlinge wurden von den Qualitätsmedien auch noch für Propaganda missbraucht. Es wurde verbreitet, die Flüchtlinge seien vor den Kommunisten geflohen, dies sei eine eindeutige Abstimmung mit den Füßen zuungunsten des „Vietcong“. In der Realität flohen fast 80% der Menschen auf Grund von US-Vertreibungen bzw. durch andauernden US-Beschuss, etwa 15 bis 18% wegen intensiver Kämpfe und nur 2 bis 5% aufgrund von Einschüchterungen durch die NLF.  
   

[39] Auf die Bevölkerung Deutschlands umgerechnet wären dies mehr als 2 Mio. Prostituierte. Tatsächlich wird deren Zahl in Deutschland auf unter 400.000 geschätzt.   


[40] Dies zeigt deutlich, wie viel „Wert“ ein vietnamesisches Leben für die US-Führung war...

  
[41] Die Behauptungen der US-Pressestellen wurden damals (wie heute die Behauptungen der NATO-Pressestelle) kritik- und kommentarlos von den Edelfedern der Qualitätsmedien übernommen. Die Begründung: Folter sei etwas primitives und  daher sei es nicht verwunderlich, dass die ungebildeten Vietnamesen diese anwenden. 

   
[42] Nomen es omen: Von Ewell zu evil ist es nicht weit. Und Herr Ewell war böse.

   
[43] Hin und wieder weigerte sich die Artillerie, auf dichtbesiedelte Gebiete zu schießen. Dann gaben die Feuerleitoffiziere fälschlich „Feindkontakt“ an. Die Lügen von Herrn Oberst Klein in Kunduz waren daher schon seit Jahrzehnten NATO-Standard...  
   

[44] Die vietnamesischen Bauern gingen im Laufe des Krieges dazu über, die Felder nachts zu bestellen, weil sie sich dann relativ sicher vor US-Angriffen fühlten. Damit war aber spätestens 1969 mit dem Einführen von Nachtsichtgeräten Schluss. Vorher gab es nur ein relativ geringes Risiko, Opfer von US-Artillerieangriffen zu werden, die bevorzugt nachts durchgeführt worden,meist aber die Dörfer und nicht die Felder zum Ziel hatten.  


[45] Die War Criminal Working Group berichtete regelmäßig dem Weißen Haus und dem Pentagon. Sie diente eindeutig nicht der Aufklärung von Straftaten, sondern zu deren Verschleierung. Was gut daran erkennbar ist, dass auf Grund der "Ermittlungen" dieser Arbeitsgruppe kein einziges Gerichtsverfahren eingeleitet wurde ...


[46] Beispielhaft sei der „Jahresrückblick 1967 der Tagesschau“ aus dem Jahr 2010 zitiert, der eigentlich nur als glatte Lüge bezeichnet werden kann:    

Neben den getöteten [etwa 15.000] US-Soldaten sterben auch 70.000 Südvietnamesen in diesem Krieg. Nicht alle Opfer sind Soldaten. Viele Frauen und Kinder werden vom Vietcong ermordet. 

Die Verluste in Nordvietnam werden auf 230.000 Tote geschätzt. Das Fazit des Krieges: Mehr als 300.000 Tote, vollkommen zerbombte Städte und zerstörte Dörfer.


[47] 1969 hatte die US-Regierung offensichtlich wesentlich mehr Respekt vor dem Gesetz, als die heutigen Regierungen - leider vollkommen zu unrecht.


 

19820