Westlicher Rassismus

Im Zuge der weltweiten Eroberungen durch die Weißen besonders im 19. Jahrhundert wurde als Rechtfertigung für Eroberungen sowie Land- und Ressourcenraub eine breite ideologische Basis gesucht und letztlich im wissenschaftlichen Rassismus mit den Thesen von Herrn Darwin (siehe Kapitel 3) als Fundament gefunden.

Bereits im späten 18. Jahrhundert war (pseudo)wissenschaftlicher Rassismus gegen Schwarze in Frankreich und Großbritannien sehr beliebt, weil er begründete, warum die Schwarzen in den britischen und französischen Kolonien keine echten Menschen, sondern nur Sklaven sind, die ausgebeutet werden dürfen. In diesem Zusammenhang sehr interessant ist, dass zahlreiche deutsche Anthropologen bis ins Ende des 19.Jahrhunderts gegen den Rassismus argumentierten – sie begannen aber zu schweigen, nachdem sich Deutschland ebenfalls entschieden hatte, Kolonien zu erobern.  

Der wissenschaftliche Rassismus löste somit die Religion als Begründung für die weltweiten Eroberungen durch europäische Staaten ab. Nach dem zweiten Weltkrieg wiederum wurde der Rassismus als Begründung für die aggressive Politik des Westens langsam aber sicher durch den Kampf für westliche Werte / freie Marktwirtschaft / Menschenrechte ersetzt.

 

1.    Wissenschaftlicher Rassismus und Menschen, die dagegen aufgestanden sind

Bei der Darstellung des wissenschaftlich begründeten Rassismus möchte ich auch und besonders auf die wenigen Menschen hinweisen, die bereits im 18. und 19. Jahrhundert gegen den Rassismus ihrer Zeit aufgestanden sind. Diese Menschen sind leider viel zu unbekannt und hätten es verdient, in unser Bewusstsein zu gelangen und als Beispiel für Zivilcourage und Menschlichkeit in Schule und Medien behandelt zu werden.

Nachfolgend sind neben den Menschen, die gegen Rassismus argumentiert haben, auch bekanntere Rassisten mit ihren Thesen aufgeführt. Die Beispiele habe ich größtenteils dem Buch „The Skull Measurer´s Mistake“ von Sven Lindqvist entnommen.  

 

1784 widerspricht James Ramsay in „An Essay on the Treatment and Conversion of African Slaves in the British Sugar Colonies“ dem Einwand von Hume, die Schwarzen seien minderwertig, weil es ihnen noch nicht einmal gelungen sei, funktionierende Staaten zu bilden. Ramsay betont in seinem Essay, dass er keinen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß im Intellekt und im menschlichen Verhalten feststellen könne. Dem Einwand, Schwarze seien durch fehlende Staatenbildung minderwertig, kontert er mit der Bemerkung, Hume könne froh sein, nicht zu Zeiten Kaiser Augustus gelebt zu haben. Denn dann könnten die Römer aus der fehlenden Staatenbildung auf den britischen Inseln schließen, die Menschen im Norden seinen minderwertig. 

Henri Gregoire (1750-1831) hat sich Zeit seines Lebens um gleiche Rechte für Juden und Schwarze in der französischen Republik eingesetzt.

1839 veröffentlichte Samuel Morton „Crania America“ eine Studie, die aufgrund eines Schädelgrößenvergleichs die intellektuelle Überlegenheit des weißen Mannes belegen sollte. Morton verglich aber die Schädel weißer Männer mit denen schwarzer Frauen. Entschieden widersprochen hat ihm Friedrich Tiedemann, der zeigen konnte, dass Weiße mitnichten einen größeren Schädel haben. Hätte Morton Männerschädel mit Männerschädel verglichen, hätte er erkennen müssen, dass die Schwarzen die größeren Schädel hätten. Tiedemann hielt aber den ganzen Schädelvergleich für Unsinn. Er begründete dies mit einem Blick ins Tierreich: Delphine haben einen kleinen Schädel, seien aber deutlich intelligenter, als viele andere Tiere mit einem größeren Schädel. Daraus schloss Tiedemann, dass alle menschlichen Rassen grundsätzlich dieselbe Intelligenz hätten.

Obwohl Tiedemann Morton widerlegt hat, waren Morton und seine Thesen besonders in den USA Zeit seines Lebens sehr populär, während Tiedemann bis heute weitgehend unbekannt geblieben ist.

 

Bemerkenswert ist, dass die Rassisten des 18. und 19. Jahrhunderts ihre Theorien am Schreibtisch entwickelt haben, ohne die „niederen Rassen“ jemals beobachtet zu haben – außer auf dem Seziertisch. Trotz der Faktenfreiheit ihrer Thesen waren diese äußerst beliebt. Morton war trotz der von Tiedemann nachgewiesenen eklatanten wissenschaftlichen Fehler sehr populär, während der sachlich korrekt arbeitende Tiedemann totgeschwiegen wurde.

 

Wissenschaftler, die die Völker des Südens vor-Ort beobachtet haben, waren in der Regel keine Rassisten. Thomas Winterbottom (1766 – 1859) hat in Freetown, Sierra Leone Ende des 18. Jahrhunderts zusammen mit Schwarzen gelebt. 1803 schrieb er auf Grund seiner Beobachtungen das Buch „An Account of the Native Africans in the Neighbourhood of Sierra Leone“. Er widerlegt in seinem Buch jede einzelne These des Rassisten Charles White, der nie in Afrika war. White blieb ein geachteter Wissenschaftler, Winterbottom dagegen wurde in der Öffentlichkeit ignoriert.

 

Der wissenschaftliche Rassismus war anfangs besonders in den USA populär. Schon in den 1830iger Jahren wurde in den USA in Schulbüchern und in Zeitungen über die Überlegenheit des weißen Mannes schwadroniert. Es sei klar, dass der Weiße zunächst den amerikanischen Kontinent und dann die Welt beherrschen müsse. Da die Überlegenheit des weißen Mannes eine wissenschaftliche Tatsache sei, war Politikern und Journalisten vor dem US-mexikanischen Krieg 1847 klar, wie dieser ausgehe. Schließlich lebten in Mexiko 85% Indios und gemischt-rassige, also Minderwertige. Einziger Nachteil einer Eroberung Mexikos sei es, dass es zu einer Rassevermischung kommen könne, die angelsächsisches Blut schwäche. Daher forderte J. Pollack 1847, dass Auslöschung und Eroberung Hand in Hand gehen müssten. Andere, wie das Merchent Magazin vertraten die Ansicht, ein Vernichtungskrieg sei nicht notwendig, solange die Weißen über alle wesentlichen Ressourcen verfügen.

Albert Gallatin stellt 1847 in „Peace with Mexico“ die US-Motive des Krieges in Frage, da sich eine Demokratie nicht auf eine rassische Überlegenheit gegenüber den Mexikanern berufen könne.  

 

Robert Knox, einer der wichtigsten Theoretiker des wissenschaftlichen Rassismus schrieb 1850 in „The Races of Man“, dass Gesetze dazu da seien, die Schwachen zu verpflichten und von den Starken gebrochen zu werden. Das einzig wahre Gesetz sei das Gesetz der physischen Macht.  

 

Charles Anderson argumentiert in seinem Buch „An Adress on Anglo Saxon Destiny“ (1850), dass es keine angelsächsische Rasse geben könne, sondern dass auch die Bewohner Großbritanniens ein Mischung aus vielen Völkern seien. Rassismus basiert, so argumentiert er, immer auf Lügen und Unwissenheit.

 

Arthur de Gobineau (1816-1882) hat Essays über die Ungleichheit der menschlichen Rassen geschrieben. Er glaubte, wenn sich arisches Blut mit dem minderwertiger Rassen vermische, folge unweigerlich die Demokratie als übelste Regierungsform. Damit sei wahre zivilisatorische Größe unmöglich. Gobineau war besonders bei US-amerikanischen Rassisten sehr beliebt und – wen wundert es – auch die Nazis waren im 20. Jahrhundert von seinen Ergüssen begeistert.    

 

George Fitzhugh „Sociology for the South“ schrieb 1854, es sei nur natürlich, dass die überlegene weiße Rasse den minderen Rassen alles Land und alle natürlichen Ressourcen nähmen, da die Weißen eine „natürliche Autorität“ besäßen.  


Squier schrieb 1855 in „Notes on Central America“, die USA seien in Lateinamerika aufgrund ihrer rassischen Überlegenheit so erfolgreich. Mittelamerika könne sich nur entwickeln, falls die minderen indigen Rassen durch Weiße ersetzt würden. Dies sei für eine Weiterentwicklung der Menschheit wichtig, humanitäre Gefühlsduselei gefährde dagegen das hohe Ziel („Gesetze der Natur“). Daher müssten die niederen Rassen verschwinden.

 

Freeman schrieb 1869 „Old English History for Children“. Er führte aus, die Germanen seien die beste Rasse. Sie hätten in Großbritannien die Kelten verdrängt, verdrängen jetzt in Irland die Iren und in den USA die Ureinwohner, die zu ihrem Besten ausgelöscht würden. Dies alles sei naturwissenschaftlich zwingend. T. Roosevelt, der spätere Präsident der USA unterstützte die Freeman Thesen in seinem Buch „The Winning of the West“ (1889).

 

Die „gelbe Gefahr“ wurde bereits Ende des 19.Jahrhunderts beschworen, z.B. von Gollwitzer in Deutschland, von Pearson in Großbritannien und von Adams in den USA. Die immer wiederkehrende Begründung: Wenn China und Japan industrialisiert seien, gefährden sie aufgrund ihrer großen Bevölkerung die Überlegenheit Europas und der USA. Massiv geschürt wurden die Ängste durch den Sieg Japans gegen Russland 1905.

Die geschürten Ängste waren aber faktenfrei, da sich Europa und die USA gerade anschickten, China aufzuteilen. Auch damals wurden die eigenen Eroberungspläne auf geschürte Ängste projiziert und den Asiaten unterstellt, sie hätten ähnliche Weltbeherrschungsphantasien, wie der Westen.

Zu den Fakten: In den 1850ger Jahren emigrierten 2,5 Mio. Menschen aus Europa in die USA, aber nur 35.000 Chinesen. Trotzdem wurde in den USA von der „gelben Flut“ gesprochen. 1854 wurde in Kalifornien, wohin die meisten Chinesen emigrierten, Chinesen das Recht abgesprochen, vor Gericht auszusagen, weil sie einer minderen Rasse angehörten. Ab 1870 gab es besonders in Kalifornien Pogrome gegen Chinesen. Darauf erst kam es zur Gründung der China-Towns zum Schutz gegen die Pogrome. 1882 verbot der „Chinese Exclusion Act“ die Emigration von Chinesen in die USA, die Pogrome gingen trotzdem weiter.

 

J. Novicow (1849 – 1912) hat allen Rassisten widersprochen, indem er darlegte, dass es keine reinen Rassen geben könne. Das Fehlen eines schwarzen Newton oder Pasteur liege ausschließlich an den gesellschaftlichen Verhältnissen, nicht aber an einer minderen Intelligenz der Menschen im Süden. Er argumentiert weiter, dass, falls Chinesen oder Schwarze tatsächlich minderwertig seien, könnten die Europäer und US-Amerikaner immer die Welt beherrschen. Die Probleme fingen erst an, falls die Menschen des Südens eben nicht minderwertig seien. Aber auch dies sei kein Problem, so Novicow. Dann gäbe es zwischen den Völkern mehr Wettbewerb, was aber nicht zwangsläufig dazu führen müsse, dass es Verlierer gäbe. Er nennt folgendes Beispiel: 1850 war die britische Industrie weltweit konkurrenzlos führend. 1890 sei die deutsche Industrie fast genau so leistungsfähig, dies hätte aber nicht dazu geführt, dass es den Briten schlechter ginge, im Gegenteil. Daher seien alle Ängste die Völker des Südens betreffend Unsinn.  

 

1874 argumentiert Lanfield Ward gegen den Darwinismus. Es sei moralisch falsch, andere Rassen auszulöschen. Statt dessen sei es Aufgabe der Regierung, die Menschen in den eroberten Ländern zu schützen.

 

In Deutschland war der Antisemitismus bereits im 19. Jahrhundert sehr populär. Wilhelm Marr „Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum“ (1879) sowie Eugen Dührings „Die Judenfrage als Rassen-, Sitten- und Culturfrage“ (1881) wurden häufig gelesen. Gegen den wachsenden Antisemitismus wenden sich im November 1880 73 führende Wissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsleute, unter anderem Theodor Mommsen. In der Streitschrift „Auch ein Wort über unser Judenthum“ argumentiert Mommsen, dass die Forderung an die deutschen Juden, sie sollten gute Deutsche werden, Unsinn sei. Die Juden seien bereits gute Deutsche, jedenfalls so gut wie alle anderen auch. Es gäbe auch Unterschiede zwischen Preußen und Bayern, wer wollte aber behaupten, der eine sei ein besserer Deutscher, als der andere. Er argumentiert weiter: Heute sind es die Juden, die ausgegrenzt werden, und morgen die Berliner? Mommsen argumentiert m.E, zu kurz, da er nicht den wissenschaftlich begründeten Rassismus und Antisemitismus bekämpfte, der biologisch begründete Unterschiede behauptete. Allerdings ist es hinterher immer einfacher, die Gefahren des Antisemitismus angesichts der Vernichtungspolitik Deutschlands im Dritten Reich zu sehen.  

 

1881 forderte Helen Hunt Jackson in ihrem Buch „A Century of Dishonor“, das internationale Recht auch für die Völker des Südens anzuwenden. Als Beispiel für den schändlichen Umgang der Weißen mit eroberten Völkern benannte Frau Hunt den Umgang mit den Cherokee seit 1773. Die Cherokee hätten die ersten weißen Siedler in ihrem ersten Winter vor dem Hungertod bewahrt. Zum Dank sei ihnen nicht nur ihr Land und ihr Leben genommen worden, nein, alle Verträge mit den Cherokee seit 1773 seien von den Weißen zum Nachteil der Cherokee gebrochen worden. Hunt wurde in den USA viel gelesen und viel gehasst. T. Roosevelt fand das Buch von Frau Hunt gefährlich, weil es den Anspruch der Weißen „Wir sind die Guten“ in Frage stellte.

 

1897 schrieb Olive Schreiner „Trooper Peter Halket of Mashonaland“ (deutsch: "Peter Halket im Mashonalande"), in der sich Halket fragt, ob der Vernichtungskrieg gegen die Schwarzen gerechtfertigt sei. Ob der Zwang zur unbezahlten Arbeit nicht Sklaverei sei. Ob den Schwarzen nur deshalb das Land gestohlen werden könne, weil sie militärisch unterlegen seien. Schreiners Buch wurde häufig gelesen und viel diskutiert, hatte aber letztlich keinen Einfluss auf die britische Politik.

In der Folge forderte Frau Schreiner ein demokratisches Südafrika für Schwarz und Weiß ohne Rassismus. Sie wurde von vielen angefeindet: von den Briten, weil sie im Burenkrieg für die Buren Partei ergriff, von den Buren, weil sie für die Rechte der Schwarzen eintrat und von den weißen Feministinnen, weil sie für schwarze Frauen die gleichen Rechte forderte.  

 

Mary Kingsley hat im 19ten Jahrhundert Westafrika besucht, meist alleine und immer unbewaffnet. Sie hatte ein vollkommen anderes Bild von den Menschen in Afrika, als die Schreibtischanthropologen mit ihren rassistischen Ideen in Europa und den USA. Frau Kingsley veröffentlichte Ihre Erfahrungen „Travels in West Africa“ (deutsch: "Reisen in Westafrika" 1897) und „West African Studies“ (1899), wofür sie von der wissenschaftlichen Welt übelst beschimpft und angegriffen wurde, obwohl ihre Veröffentlichungen auf Beobachtungen beruhten.

 

2. Rassismus und Völkermordgelüste in der populären Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts

Rassismus wurde nicht nur über (pseudo)wissenschaftliche Texte veröffentlicht, sondern war auch in der populären Literatur weit verbreitet. Die Weißen erobern uneigennützig, um die Wilden zu zivilisieren, um Fortschritt zu bringen. Sie beherrschen den Rest der Welt zum Nutzen aller Menschen, also auch der Völker des Südens. Die Bösen, Gefährlichen und Unmenschlichen in diesen Büchern dagegen sind Schwarze oder Gelbe. Dies gilt auch für die Romane von Jules Verne, Rudyard Kipling und Hans Dominik. Weitere Beispiele:

1898 „Die gelbe Gefahr“ von M.P. Shiel: Hier werden die bösen Chinesen, die mit ihrer Masse die Welt überrennen wollen, mit biologischen Waffen ausgelöscht. Der Völkermord an den Chinesen wird als unvermeidlich dargestellt und dient letztlich der menschlichen Rasse.

1908 „The Vaneshing Fleets“ von R Norton: Hier überfallen die „Gelben“ (Chinesen und Japaner), die USA, die aber über eine Superwaffe verfügen. Japan erkennt das und gibt auf, China muss etwas mehr leiden. Danach gibt es Weltfrieden, weil USA (sowie das mit ihr verbündete Großbritannien) ihre Superwaffe selbstverständlich nicht ausnutzen.

1910 „The Unparalleled Invasion“ von Jack London. In diesem Roman wird festgestellt, dass es zu viele Chinesen gibt, die leider leider mittels biologischer Kriegsführung ausgelöscht werden müssen, damit der Rest der (weißen) Menschheit genug Lebensraum hat.

1941 (vor Pearl Harbour) schreibt Robert Heinlein in seinem Roman „The Ledbetter Effect“: Chinesen und Japaner erobern die USA. Die Weißen erfinden eine Superwaffe, die nur „mongolisches Blut“ trifft, die Weißen kommen nicht zu Schaden. Die „gelben Affen“ werden ausgerottet. Dies war nicht der einzig rassistische Roman aus dieser Zeit, der eine Endlösung der gelben Gefahr zum Ziel hat. Heinlein war übrigens sehr populär.

 

 

3. Anmerkungen zum Darwinismus

  - taugt C. Darwin als Vorbild? -  

Die allgemeine positive Sicht der Thesen von Herrn Darwin kann ich nicht teilen – weder aus naturwissenschaftlichen, noch aus gesellschaftspolitischen Gründen.

Zuerst zur naturwissenschaftlichen Kritik: Der „Darwinismus“ wird als „Theorie“ bezeichnet, er verdient diese Bezeichnung aber nicht. Der „Darwinismus“ ist streng betrachtet nur eine These von Herrn Darwin und seiner Anhänger. Naturwissenschaftliche Beobachtungen, die aus der These eine Theorie machen könnten, fehlen vollständig. Es konnte bisher – trotz intensiver und jahrzehntelanger Forschung – kein einziger Fall einer neuen Artenbildung beobachtet werden. Selbst bei den Fruchtfliegen konnten Biologen durch Mutation keine neuen Arten schaffen.

Die Beispiele, die Darwinisten nennen – z.B. die Artenvielfalt der Buntbarsche in den ostafrikanischen Seen - sind Indizien gegen die Evolutionstheorie. Denn wie wollen die Darwinisten erklären, dass in allen drei Seen sich unabhängig voneinander verblüffend ähnliche Unterarten mit gleicher Spezialisierung jeweils in kürzester Zeit gebildet haben. Und dass die Buntbarsche in einem See einander genetisch verwandter sind, als die hochspezialisierten Unterarten in den drei Seen miteinander. Dies ist eher ein Indiz dafür, dass die Unterartenbildung bei den Buntbarschen genetisch veranlagt und nicht durch Mutation geschehen ist. Und wie wollen die Darwinisten erklären, dass es in der Erdgeschichte immer nach katastrophalen Ereignissen mit dem Aussterben der Masse der bestehenden Arten zu einer sofortigen Explosion der Artenvielfalt gekommen ist?

 

Da frage ich mich schon, warum die Thesen von Herrn Darwin zur Evolution trotz ihrer offensichtlichen Mängel so erfolgreich sein konnten. Vielleicht weil Darwins Thesen für die intellektuelle Unterfütterung des westlichen Kolonialismus und Rassismus hilfreich waren?  

 

Vor 150 Jahren war es in bürgerlichen Kreisen v.a. in Großbritannien, Frankreich und USA üblich, über die Überlegenheit der weißen Rasse zu schwadronieren. Ein Aussterben, ja selbst die Ausrottung der minderwertigen Nicht-Weißen wurde als unvermeidlich für die Weiterentwicklung der Menschheit angesehen.

Dies war auch die Ansicht von Charles Darwin. In einem Brief an Herrn Lyell aus dem Jahr 1859 fragt Darwin, ob die weniger intelligenten Rassen nicht zwangsläufig durch die höher entwickelten ausgelöscht würden. 1871 findet man im sechsten Kapitel seines Buches „Die Abstammung des Menschen“ die Aussage, dass bereits in wenigen Jahrhunderten die zivilisierten Rassen die Unterentwickelten ausgerottet haben werden – zum Wohle der Menschheit versteht sich.

Wobei Herrn Darwin Skrupel bekommen hat, als er sah, wie die Weißen die Ausrottung der „minderwertigen Rassen“ aktiv betrieben haben, z.B. von indigen Völkern in Argentinien. Aber letztlich tröstete er sich mit dem Gedanken, dass die Ausrottung indiger Völker nur dem Wohle der Menschheit diene.

Wir haben also mit Charles Darwin einen Menschen, der das Abschlachten von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe (Rasse) verstörend und widerwärtig empfand, aber gleichzeitig aufgrund seiner eigenen Thesen dafür Verständnis hatte.

Nun kann man einwenden, dass Herr Darwin ein Kind seiner Zeit war und nur auf Grund von mangelndem Wissen so denken konnte, ohne dass man ihn als Vorbild in Frage stellen müsse. Schließlich empfand er das Abschlachten der Indianer als widerwärtig.

Aber er vertrat auf der anderen Seite seine in der Konsequenz widerlichen und rassistischen Ideen, weil er von deren Wissenschaftlichkeit überzeugt war.  

Ich kann Darwin nicht als Vorbild gelten lassen, zumal er jede Menge Rechtfertigungen für Verbrechen seiner Zeitgenossen und nachfolgender Generationen geliefert hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass zahlreiche Zeitgenossen von Herrn Darwin jenem Rassismus entschieden widersprochen haben. Es gab also auch vor fast 200 Jahren Menschen, die klar gesehen haben, dass die „Theorien“ von Herrn Darwin katastrophale Folgen für viele Menschen haben können. Nur sind diese Menschen weniger bekannt, als eben Charles Darwin.    

 

Zu nennen sind die in Kapitel 1 genannten Menschen, die gegen den Rassismus aufgestanden sind, also James Ramsay, Hernri Gregoire, Friedrich Tiedemann, Thomas Winterbottom, Albert Gallatin, Charles Anderson, J. Novicow, Lanfield Ward, Theodor Mommsen, Helen Hunt Jackson, Olive Schreiner und Mary Kingsley.  

Weitere Beispiele:

John Howison (1834) – European colonies …: … Es ist an der Zeit, dass wir sie [die unterworfenen Völker des Südens] sich selbst überlassen und uns kritisch mit uns selbst beschäftigen, um endlich zu lernen, unsere Habgier, unsere Selbstsucht und sonstige Laster im Zaume zu halten.

Herman Merivale (1836): [Die erhebliche Verschwendung menschlichen Lebens in den Ländern des Südens liegt daran, dass die westliche Zivilisation von „Gaunern, Piraten und Strauchdieben“ vertreten werde, die plündern und ausbeuten können, wie sie wollen.]

Georg Gerland (1868) – Über das Aussterben der Naturvölker: [Das Aussterben der Naturvölker im Süden] kann nicht mit der Minderwertigkeit dieser Völker erklärt werden, sondern durch Weiße eingeschleppte Krankheiten, durch kulturelle Gewalt, durch [sinnlose] Blutrünstigkeit und durch Habgier der Weißen. So bedeute Privatisierung von Land, das bisher öffentlich war, einen existentiellen Eingriff in die Lebensgrundlagen anderer Völker.]

Joseph Conrad (ab 1896) – z.B. seine großartige und leider auch in den Details auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte „Herz der Finsternis“.

HG Wells mit seinem bekannten Roman „Krieg der Welten“ der eigentlich im Kongo spielt (was damals jeder wusste) um zu zeigen, was es bedeutet, plötzlich einer waffentechnisch deutlich überlegenen und gleichzeitig skrupellosen Macht gegenüber zu stehen.

Ed Morell, der von 1899 an gegen Rassismus, Ausbeutung und Kolonialismus im Kongo gekämpft hat.

 

Jeder einzelne der o.g. Zeitgenossen Darwins ist für mich wesentlich eher ein Vorbild.


 

 

Das größte Übel, das wir unseren Mitmenschen antun können, ist nicht, sie zu hassen, sondern ihnen gegenüber gleichgültig zu sein.

  George Bernard Shaw

21161