Westliche Werte 

Im Folgenden möchte ich zeigen, dass bei den westlichen Werten erhebliche Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestehen. Dies ist bedauerlich, da ich der Ansicht bin, dass viele der westlichen Werte positiv sind.

Aber uns allen sollte klar sein, dass die westliche Sicht der Dinge nicht die allein glückselig machende ist. Selbst falls diese Werte auch in der Realität angewendet würden, wären Alternativen wichtig.

Die westlichen Werte werden aber noch nicht einmal ansatzweise als Grundlage des staatlichen und gesellschaftlichen Handelns angewendet, sie sind reine Sprechblasen. Dass die Menschen in den westlichen Staaten damit vereimert werden, ist schon schlimm genug. Schlimmer ist aber, dass die Werte beschworen werden, um auch den Rest der Welt in Uniformität zu beherrschen und auszubeuten.  

 

Ein Rückblick in die Geschichte der letzten 500 Jahre zeigt, dass die europäischen Eroberungen immer ideologisch unterfüttert worden sind. Wir Westler (zuerst Westeuropa und seit fast 250 Jahren auch die USA) mussten immer die Guten sein. Das Gute vertreten, um des Großen, Ganzen willen. Bewaffnete Raubüberfälle als Wohltat für den Beraubten zu verkaufen, das ist es, was den Westen schon immer ausgezeichnet hat.

Anfangs war das Christentum treibende ideologische Kraft und Begründung der europäischen Eroberungen. Der Rest der Welt musste mit Hilfe von Feuer und Schwert zum rechten Glauben bekehrt werden – natürlich nur, um diesen Rest der Welt zu retten. Dass nebenbei ungeheure Reichtümer eingesackt wurden, würde man heute als Kollateralschaden (bzw. Kollateralnutzen) bezeichnen …

Im Zuge der Aufklärung sowie im 19.und frühen 20. Jahrhundert wurden Portugiesen und Spanier durch Briten, Niederländer und Franzosen abgelöst und so auch die Ideologie angepasst. Nun ging es hauptsächlich um „Fortschritt“ und „freien Handel“. Die anderen Völker mussten erobert werden, damit sie sich zivilisatorisch entwickeln. Kombiniert wurde der Fortschrittsglaube ab dem 19. Jahrhundert mit wissenschaftlichem Rassismus, der glauben machen wollte, die Europäer seien den anderen Völkern rassisch überlegen. Auch hier wieder: Eroberungen dienen dazu, den eroberten Völkern den Fortschritt zu bringen.  Oder aber (bei rassistischen Untertönen) um die Völker des Südens zum Wohle der Menschheit auszulöschen. Selbst gemäßigte Kreise forderten, dass die Völker des Südens – als Bürde des weißen Mannes - durch den weißen Mann geführt werden müßten. Zum Wohl der Völker des Südens versteht sich. Dass auch hierbei riesige Reichtümer geraubt wurden, würde man heute als Kollateralschaden (bzw. Kollateralnutzen) bezeichnen …

 

Und heute? Nach dem zweiten Weltkrieg kann unsere herrschende Ideologie mit drei Begriffen umschrieben werden: „Menschenrechte“, „parlamentarische Demokratie“ und „Marktwirtschaft / freier Handel“. Zum Wohle aller Menschen, versteht sich …

 

Aber wie sah und sieht die Realität aus:

  • Christentum: Ich habe mich schon immer gefragt, wie eine Religion der „Ohnmächtigen“ Staatsreligion werden konnte. Liest man aus der Bibel nur die vier Evangelien (die ja das Wesen des Christentums sein sollten), erkennt man schnell, dass das Christentum nicht staatstragend im westlichen Sinn sein kann. Dazu muss man noch nicht einmal die Bergpredigt lesen. Wie diese Religion der einfachen Leute, diese Religion gegen Ausgrenzungen und für die Befreiung (vom Geld) und für die Gleichberechtigung von Mann und Frau zur staatstragenden Religion Europas mächtiger Männer und des Geldes werden konnte, kann ich nicht nachvollziehen.

  • Freier Handel: 1498: die Portugiesen erscheinen in Indien an der reichen Malabarküste. Indien zeichnet sich zu diesem Zeitpunkt durch eine erhebliche Vielfalt und kulturellen, sowie materiellen Reichtum aus. Der Handel wird durch arabisch-jüdische sowie hinduistisch-indische Kaufleute geprägt, die seit Generationen miteinander zusammenarbeiten. Die auftauchenden Europäer sind für diese keine echte Konkurrenz, da die Portugiesen im freien Handel nahezu nichts wertvolles bieten können. Zudem sind die Europäer intolerant und wenig diplomatisch – beides Eigenschaften, die keine Freunde machen. Aber die Portugiesen sind waffentechnisch überlegen und sie setzen diese Überlegenheit skrupellos ein. Schon 20 Jahre später beherrschen sie den Indien“handel“ – wobei „Handel“ den eigentlichen Sachverhalt nicht richtig wiedergibt. Da die Portugiesen alle wesentlichen Bedingungen des „Warenaustauschs“ diktieren, wäre „bewaffneter Raubüberfall“ [1] die richtigere Beschreibung.  Die Portugiesen werden binnen 100 Jahren von den waffentechnisch überlegenen Niederländern und Briten verdrängt  – der Charakter des „Handels“ zwischen Indien und Europa ändert sich dabei nicht.

  • Fortschritt: Im 16. Jahrhundert erscheinen die Spanier in Mittel- und Südamerika und erobern und zerstören die zivilisatorisch hochentwickelten Staaten der Azteken und Inkas. Die Spanier zeigen keinerlei Willen, gleichberechtigten Kontakt mit den anderen, höher entwickelten Kulturen aufzunehmen. Sie haben ausschließlich Interesse am Rauben der gigantischen Schätze der „Neuen Welt“. Und da sie waffentechnisch überlegen und frei von Skrupeln sind, gelingt auch hier die Operation „bewaffneter Raubüberfall“.
    Zum Thema Fortschritt noch eine Anmerkung am Rande: Als Frankreich im 19. Jahrhundert Algerien und Vietnam eroberte, war der Alphabetisierungsgrad der Bevölkerung dort jeweils höher, als zum offiziellen Ende der Kolonialzeit Mitte des 20. Jahrhunderts. Vor der Eroberung Algeriens gingen in Algerien anteilig mehr Kinder zur Schule, als in Frankreich.
    Daneben sollte man sich fragen, was „Fortschritt“ eigentlich aussagt: Waren die Aborigines Australiens weniger fortschrittlich, als die Briten, weil sie keine Staaten gebildet und keine  Industrie aufgebaut hatten? Ist (und war) der selbstverständlichere und liebevollere Umgang der Aborigines mit ihren Kindern weniger fortschrittlich, als der westliche Umgang mit Kindern?

  • rassische Überlegenheit: hierzu keine Details. Wer noch immer an die rassische Überlegenheit des weißen Mannes glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.

  • Menschenrechte: Ich rate, sich die allgemeine Deklaration der Menschenrechte [2] anzuschauen und mit unseren politischen und moralischen Realitäten zu vergleichen.  

  • Demokratie: Bezeichnend ist, dass es gute und schlechte Demokratie gibt. Schlecht ist direkte Demokratie, weil dann „Demagogen“ das Volk verführen könnten. Gut dagegen ist eine indirekte Demokratie, bei der alle paar Jahre „Volksvertreter“ gewählt werden, die unabhängig vom Volkswillen arbeiten. So entscheidet das Volk weder über Krieg und Frieden [3], noch über die grundsätzliche Wirtschaftspolitik [4]. Wenn aber alle wesentlichen Entscheidungen unabhängig oder sogar gegen den Volkswillen getroffen werden, welchen Sinn hat dann so eine Demokratie?

    Die Bevölkerung Deutschlands wurde und wird weder über die EU-Verfassung, noch über den EU-Vertrag oder gar zum Freihandelsabkommen TTIP befragt. Dies wäre auch sinnfrei, da die Bevölkerung noch nicht einmal über den Wortlaut, geschweige denn über die Inhalte dieser Verträge informiert wurde und wird.  Ein Souverän (laut Grundgesetz das Volk) aber, der noch nicht einmal ansatzweise informiert ist, kann seine Funktion nicht ausüben.
     

Wie konnte es aber passieren, dass ein kulturell und oft auch technologisch unterlegenes Europa die gesamte Welt erobern konnte? Waren die Europäer besonders gut im Zwietracht säen, konnten sie besonders gut Kollaborateure gewinnen? War es ihre waffentechnische Überlegenheit?

Ich glaube dies alles sind wichtige Aspekte für den europäischen Siegeszug, es fehlt aber eine wesentliche Ursache für die erfolgreichen Eroberungen [5]. Die Europäer waren nicht brutaler und rücksichtsloser, als andere, auf lange Sicht weniger erfolgreiche Eroberer, wie die Azteken in Mittelamerika oder die Reiterstämme in Eurasien. Die Westler waren zwar erfolgreich im Ausüben von Verrat und Betrug, aber auch da gab es in der Vergangenheit mindestens ebenso „gerissene“ Vorgänger. Bleibt noch die waffentechnische Überlegenheit, die aber durch die zahlenmäßige Unterlegenheit der Westler in Lateinamerika, Afrika und Asien kompensiert werden dürfte.

Ich bin davon überzeugt, dass der Westen durch eine Kombination der oben genannten Gründe, sowie – wesentlich – durch seine Intoleranz und Zielstrebigkeit so erfolgreich werden konnte. Die Europäer haben keine andere Ideologie, keine andere Religion und keine andere Gesellschaftsform neben sich geduldet. Sie waren (und sind?) engstirnig und intolerant. Dies wird mit der Behauptung kaschiert: „Wir sind die Guten“, zuerst religiös, dann zivilisatorisch. Abweichungen können nicht geduldet werden, sonst ist das Große, Ganze in Gefahr.

Diese absolute Ideologie, unterschiedlich verpackt, führte zu einer Zielstrebigkeit und Entschlossenheit, die weit über das sonst übliche in der Welt hinausging.

Mongolische Reiterstämme erobern China, Indien, Persien etc. Sie nehmen relativ schnell die „überlegenen“ Kulturen der von ihnen eroberten Länder an, drängen nicht ihre eigene auf. Man vergleiche dies mit westlichen Eroberungen: Haben die Spanier die Kulturen der Azteken und / oder Inka übernommen? Die Portugiesen, Niederländer und Briten die Indiens oder Indonesiens?  

Oder die Religion: Der Islam verbreitete sich vor etwa 1.000 Jahren rasend schnell  in großen Teilen der Welt, von Europa, Nordafrika, Nahost, Indien bis Indonesien. Trotz des gigantischen Siegeszuges der „neuen“ Religion bleibt in allen „eroberten“ Gebieten eine erhebliche Religionsvielfalt bestehen [6]. Christen aller Ausprägungen und Juden werden sowieso toleriert. Dazu kommen aber noch weitere Religionen, wie Jeziden, Parsen, Hindus, Buddhisten. Und es sollte auch nicht vergessen werden, dass die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen in ein und demselben Gebiet nebeneinander existieren: Sunniten, Schiiten, Alawiten, Sufis, etc. Andere Religionen hatten und haben es in muslimischen Staaten teilweise schwer, sie werden auch verfolgt, aber trotzdem wird bis heute eine erhebliche Vielfalt bewahrt [7]. Man vergleiche dies mit den christlichen Staaten Europas. Hier war noch nicht einmal ein Nebeneinander von Protestanten und Katholiken in einem Staat möglich. Überall herrschte Uniformität.

Und die Uniformität ist nicht nur auf die Religion beschränkt. Sie zeigt sich auch an „Kleinigkeiten“: McDonalds Fast-Food schmeckt überall auf der Welt gleich, die Einkaufszentren der westlichen Welt beherbergen immer die gleichen Ketten mit den gleichen Waren. Die Radiosender spielen weltweit immer die gleiche Musik, weltweit werden vorzugsweise Hollywoodfilme angeschaut.

Nach der Ablösung der „christlichen“ Ideologie Spaniens und Portugals durch die modernere, zielstrebigere und auf den ersten Blick tolerantere Ideologie des „Fortschritts“ und der „Freiheit“ der Niederlande, Großbritanniens, der USA sowie Frankreichs wurde auch unser gesellschaftlich-kulturelles Modell als das allein glückselig machende weltweit durchgesetzt. Wer sich dem „Fortschritt“ oder der „Freiheit“ oder heute den „Menschenrechten“ entgegenstellt, wird gnadenlos bekämpft. Gefangene werden dabei nicht gemacht. 

Der Vorläufer von Paraguay war im 17. und 18. Jahrhundert der „Jesuitenstaat“, in dem Indios, Gauchos und entlaufenen schwarze Sklaven mit Hilfe von Jesuiten eine Heimat fanden. Die Jesuiten wurden darauf im 18. Jahrhundert von der Kirche aufgefordert, Südamerika zu verlassen. Viele Jesuiten blieben trotzdem. Paraguay wurde darauf seit Anfang des 19. Jahrhunderts von Brasilien und Buenos Aires von seinem Zugang zur Außenwelt abgeschnitten. Trotz der Isolation und der „Selbstverwaltung“ funktionierte der Staat. Er hatte im Gegensatz zu Brasilien und Buenos Aires keine Auslandsschulden, den Menschen ging es gut, es gab keine Sklaverei. Alleine die Tatsache seines Bestehens, die Tatsache, dass Indios, Gauchos und ehemalige Sklaven einen funktionierenden Staat gründen konnten, war für die Sklavenhaltern Brasiliens und die sie finanzierenden britischen Kaufleute zu viel. Daher rüsteten Brasilien und Buenos Aires mit Hilfe von britischem Geld wieder und wieder gegen den neuen Staat. Anfangs konnte sich Paraguay behaupten, angesichts der militärischen Überlegenheit und der schier unbegrenzten Finanzmittel der Angreifer (finanziert durch Großbritannien [8]) wurde Paraguay 1864 bis 1870 endgültig besiegt. Dabei kamen 80% der männlichen Bevölkerung Paraguays ums Leben.

Bei uns im Westen ebenso unbekannt ist der Kampf der Sklaven auf Hispaniola, der seinerzeit reichsten Insel der (westlichen) Welt [9]. Hier gelang es den Sklaven die französischen (und spanischen) Kolonialherren Ende des 18. Jahrhunderts zu besiegen. Rückeroberungsversuche der Franzosen konnten zurückgeschlagen werden. Es wurden nacheinander britische Invasionstruppen sowie ein großes Expeditionskorps Napoleons geschlagen. Selbstverständlich versuchten alle Kolonialmächte, einen erfolgreichen „Negerstaat“ in der Karibik zu verhindern, und das Gedenken an den erfolgreichen Aufstand zu zerstören. Heute sind die beiden Staaten Hispaniolas –Haiti und die Dominikanische Republik – die ärmsten Länder der Karibik, sie hätten aber allen Grund, auf ihre Geschichte stolz zu sein.

Das 20. Jahrhundert ist ebenfalls reich an ähnlichen Beispielen: Die gesellschaftlichen Gegenentwürfe Vietnams, Kubas, Chiles und Nicaraguas wurden durch den Westen direkt und indirekt meist erfolgreich bekämpft.  

  

Wobei die „Moral“ die als Begründung für die Aggressivität des Westens durchaus – um es vorsichtig zu sagen – flexibel ist. So verurteilte der internationale Gerichtshof 1986 die USA wegen Terrorismus gegen Nicaragua und sprach Nicaragua 17 Mrd. $ Reparationen zu. Selbstredend wurden die Reparationen niemals bezahlt und selbstredend beachteten unsere Qualitätsmedien dieses Urteil nicht weiter. Aber es kommt noch besser: 1987 hat die UN Vollversammlung mit überwältigender Mehrheit beschlossen, dass alle Staaten den Terrorismus energisch bekämpfen sollen. Nur zwei Staaten stimmten dagegen: die USA und Israel …  

Wie bereits eingangs erwähnt, beherrscht der Westen nicht nur aufgrund der o.g. negativen Eigenschaften die Welt. Der "Westen" zeichnet sich schon seit mehr als 1.000 Jahren durch einen hohen institutionellen Organisationsgrad aus. Westliche Staaten sind daher nicht so stark von Einzelpersonen abhängig, wie dies bei anderen Gemeinschaften der Fall ist und war, z.B. bei Arabern oder Türken. So gab es in westlichen Monarchien eine geregelte Thronfolge, der Tod eines Königs hatte nicht zwangsläufig - wie bei Arabern oder Türken - einen Bürgerkrieg (Bruder gegen Bruder) zu Folge. Diese relative  "Rechtssicherheit" gab es nicht nur für Könige und Höhergestellte, sondern auch für normale Bürger. Willkür gegen die eigene Bevölkerung war und ist im Westen wesentlich seltener, als in anderen Kulturkreisen. Daraus entwickelte sich die politische Teilhabe immer weiterer Bevölkerungskreise, woraus zusammen mit der relativen Rechtssicherheit ein erhebliches Maß an wirtschaftlicher Eigeninitiative normaler Bürger folgte. Diese zunehmende wirtschaftliche (und technologische) Macht verbunden mit dem relativen inneren Frieden durch minimierte interne Willkür nutzten die westlichen Staaten zu ihrer weltweiten Expansion - und dies nicht erst seit 200 Jahren, sondern seit fast 1.000 Jahren.  

Aufgrund der relativen Rechtssicherheit im Westen gepaart mit der politischen Teilhabe weiter Teile der Bevölkerung war es aber für die Herrschenden immer wichtig, externe Willkür und externe Expansion rechtlich-moralisch zu begründen. Nach unserem Selbstverständnis müssen wir die Guten sein, wobei wir wieder bei meiner obigen Argumentation sind.  

 

ABER: Dies darf nicht dazu führen, "das Kind mit dem Bade auszuschütten". Unsere m.E. guten Eigenschaften, wie relative interne Rechtssicherheit und die Teilhabe weiter Bevölkerungskreise an politischen Entscheidungen gilt es zu verteidigen, insbesondere die z.T schon erfolgreichen Angriffe auf unseren Rechtsstaat abzuwehren. Daneben täte es uns als Westen gut, auch Eigenschaften wie Toleranz, Gelassenheit (wie der Kölner sagen würde: "Man muss auch gönne könne") und global geltende Rechtssicherheit zu vertreten und die unterschwellig geltenden Doppelstandards aufzugeben [10].


 

=======================


[1] Die Europäer (sowie etwas später auch die USA)  haben die Tradition des bewaffneten Raubüberfalls anstelle eines fairen Handels auch auf Afrika und den Rest Asiens übertragen. Zur nachhaltigen Ausbeutung haben sie zudem in den Ländern des Südens die Sklavenarbeit perfektioniert.

 

[2]           Allgemeine Deklaration der Menschenrechte

Präambel

Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,

da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen, und da verkündet worden ist, dass einer Welt, in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben des Menschen gilt,

da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zugreifen,

da es notwendig ist, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen zu fördern,

da die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihren Glauben an die grundlegenden Menschenrechte, an die Würde und den Wert der menschlichen Person und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau erneut bekräftigt und beschlossen haben, den sozialen Fortschritt und bessere Lebensbedingungen in größerer Freiheit zu fördern,

da die Mitgliedstaaten sich verpflichtet haben, in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen auf die allgemeine Achtung und Einhaltung der Menschenrechte und Grundfreiheiten hinzuwirken,

da ein gemeinsames Verständnis dieser Rechte und Freiheiten von größter Wichtigkeit für die volle Erfüllung dieser Verpflichtung ist,

 

verkündet die Generalversammlung

diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal, damit jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unterricht und Erziehung die Achtung vor diesen Rechten und Freiheiten zu fördern und durch fortschreitende nationale und internationale Maßnahmen ihre allgemeine und tatsächliche Anerkennung und Einhaltung durch die Bevölkerung der Mitgliedstaaten selbst wie auch durch die Bevölkerung der ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Gebiete zu gewährleisten.

 

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

 

Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebiets, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

 

Artikel 3

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

 

Artikel 4

Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.

 

Artikel 5

Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.

 

Artikel 6

Jeder hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.

 

Artikel 7

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.

 

Artikel 8

Jeder hat Anspruch auf einen wirksamen Rechtsbehelf bei den zuständigen innerstaatlichen Gerichten gegen Handlungen, durch die seine ihm nach der Verfassung oder nach dem Gesetz zustehenden Grundrechte verletzt werden.

 

Artikel 9

Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.

 

Artikel 10

Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.

 

Artikel 11

Jeder, der wegen einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.

Niemand darf wegen einer Handlung oder Unterlassung verurteilt werden, die zur Zeit ihrer Begehung nach innerstaatlichem oder internationalem Recht nicht strafbar war. Ebenso darf keine schwerere Strafe als die zum Zeitpunkt der Begehung der strafbaren Handlung angedrohte Strafe verhängt werden.

 

Artikel 12

Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

 

Artikel 13

Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.

Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.

 

Artikel 14

Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nicht politischer Art oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen.

 

Artikel 15

Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit.

Niemandem darf seine Staatsangehörigkeit willkürlich entzogen noch das Recht versagt werden, seine Staatsangehörigkeit zu wechseln.

 

Artikel 16

Heiratsfähige Frauen und Männer haben ohne Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht zu heiraten und eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte.

Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen werden.

Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.

 

Artikel 17

Jeder hat das Recht, sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit anderen Eigentum innezuhaben.

Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden.

 

Artikel 18

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

 

Artikel 19

Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

 

Artikel 20

Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und zu Vereinigungen zusammenzuschließen.

Niemand darf gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören.

 

Artikel 21

Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.

Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern in seinem Lande.

Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muss durch regelmäßige, unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder in einem gleichwertigen freien Wahlverfahren zum Ausdruck kommen.

 

Artikel 22

Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.

 

Artikel 23

Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.

Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.

Jeder hat das Recht, zum Schutz seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.

 

Artikel 24

Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.

 

Artikel 25

Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen gewährleistet sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.

Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche, genießenden gleichen sozialen Schutz.

 

Artikel 26

Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muss allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.

Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muss zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.

Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.

 

Artikel 27

Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.

Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.

 

Artikel 28

Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können.

 

Artikel 29

Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist.

Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen.

Diese Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen ausgeübt werden.

 

Artikel 30

Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, dass sie für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen, welche die Beseitigung der in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.

 

 

[3] Trotz medialer Dauerbeeinflussung ist immer noch eine Mehrheit der Bundesbürger gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Diese werden aber weder vom Parlament, noch von der Regierung trotz gegenteiligen Volkswillens in Frage gestellt.

 

[4] Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen eine Privatisierung hoheitlicher Aufgaben. Trotzdem findet diese statt.

 

[5] Hinzu kommen sicher noch andere Gründe, wie das Einschleppen von Krankheiten. Dies gilt aber nur für die Eroberung Amerikas. Für Indien oder gar Afrika gilt eher das Gegenteil – hier setzten sich die Europäer unbekannten Krankheiten aus, mit denen sie nicht so gut zurechtkamen, wie die Einheimischen. Trotzdem wurden Indien und auch später Afrika durch die Europäer erobert.

 

[6] Vielleicht ist diese Toleranz des Islam, andere Religionen zu dulden, die Ursache für dessen raschen Siegeszug?

 

[7] Natürlich gab und gibt es auch sehr intolerante muslimische Staaten, aktuell Saudi-Arabien und Katar, sowie die von ihnen unterstützten Bewegungen. Nur sind diese immer noch in der absoluten Minderheit, was aber dem negativen Islambild im Westen keinen Abbruch tut.  

Hinzu kommt, dass ausgerechnet die engstirnigsten islamischen Staaten die engsten Verbündeten des Westens sind, ein Schelm wer Böses dabei denkt. 

 

[8] Britische Banker gaben nur scheinbar selbstlos riesige Mengen Geld an Brasilien und Buenos Aires. Die jungen Staaten Südamerikas verschuldeten sich und gerieten so in andauernde Abhängigkeit. Die britischen Banker schlugen damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits wurde ein gesellschaftlicher Gegenentwurf zerstört, andererseits wurden Brasilien und Buenos Aires in dauerhafte finanzielle Abhängigkeit gebracht.

 

[9] Natürlich nur aus Sicht der weißen Kolonialherren, die schwarzen Sklaven, die mit ihrer Arbeit die Reichtümer (vor allem Zucker) erwirtschafteten, kamen selbstverständlich nicht in den Genuss dieser Reichtümer.


[10] Wie „verkommen“ unser Moralsystem gegenüber den „Anderen“ ist, erkennt man nicht nur an den Doppelstandards für objektiv ein und dieselben Handlungen:

Die Anderen sind Terroristen, „wir“ stellen die „Sicherheitskräfte“, sind also die Guten.

Wesentlich schwerwiegender  ist aber wie selbstverständlich unsere Gesellschaft „Kollateralschäden“ und außergerichtliche Tötungen (vulgo: Mord) bei unseren „Feinden“ akzeptiert. Diese sind keine Menschen. Zivilisten gibt es – so sind „wir“ durch die mediale Beeinflussung unterschwellig überzeugt -  bei den „Anderen“ nicht. Damit wird alles zu einem legitimen Ziel.  

 

Der erste Schlag, den die Fürsten der Freiheit versetzen, besteht nicht darin, dreist die Gesetze zu verletzen, sondern in Vergessenheit geraten zu lassen. …  

Um die Völker in Ketten zu legen, schläfern sie sie zunächst ein.

Jean Paul Marat

21156